Von dir muß ich scheiden prächtiges Berlin

Abschiedslieder | | 2010
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Von dir muß ich scheiden
prächtiges Berlin
Alle meine Freuden
die fliehen jetzt dahin
Ich wünsch, daß alle andern
aus dem Tore wandern
Blieb ich nur in dir
o wie wohl wär mir

Unter deinen Linden
wenn der Frühling kam
kann man des Abends finden
was der Tag uns nahm
Herzens-Ruh und Stärke
von  des Tages Werke
und in des Mädchens Arm
ruht sich´s hold und warm

Prächtiger Tiergarten
bald verlaß ich ich
ich kann nicht länger warten
weiter reis jetzt ich
Unter deinen Schatten
wie auch auf grüner Matten
und an des Mädchens Brust
ruht sich´s voller Lust

Moabit und Pankow, wie auch Charlottenburg
künftig fahr ich wieder eure Fluren durch
Schöneberg vor allen, in Templow hat´s mir gefallen
lebe wohl auch du, Lichtenberg dazu

In der Hasenheide, war ich oft vergnügt
wie auch so manche Freude mir darin verfliegt
Stunden sind verflossen, die ich so süß genossen
O du schöner Ort, warum muß ich fort?

Euch, ihr Tabagien, wo viel Jubelton,
Von euch muß ich fliehen, dahin, wo Kummer wohnt,
In ein kleines Städtchen, da lebt man ohn ein Mädchen,
Man hat kaum´s liebe Brot. Still ist es, öd und tot.

Liebes Mädchen, lebe wohl, vergiß mein nicht.
Sieh, mein Aug erhebet sich zu dir und spricht:
Lebe wohl auf immer, Dein vergeß ich nimmer
bis einst des Todes Hand trennt auf unser Band

Lebet wohl, ihr Freunde, Gott verleih euch Glück
Einmal kehr ich wieder nach Berlin zurück
Lebet wohl, ihr Feinde, wie auch ihr besten Freunde
Bleibt ihr Linden grün, Lebe wohl, Berlin

Weitere Strophe, aus dem Ersten Weltkrieg:
An der Friedhofmauer, wo der Mond aufgeht
stand ich auf der Lauer, bis die Tür aufgeht…
Drinnen in der Stube, saß ein kleiner Bube
spielt mir etwas vor, vom Berliner Chor.

Dazu folgende Angaben von : Ltn. Weihrauch , Festungs-Funkenstation Kowno , Feldpostenstation 209 , DVA A 107 084 : “ Im Soldatenliederbuch v. Scherer=Salzmann S.199 steht das Lied: „von dir muss ich scheiden, prächtiges Berlin“ wie es Die Soldaten beim Ausmarsch 1914 gesungen haben sollen. Gleich in den ersten Tagen, wo auch ich ausrückte, habe ich Es noch nicht singen hören. Draußen hörte ich es wie oben. “

Text und Musik: anonym – von Anfang des 19. Jahrhunderts. Anfangs von wandernden Handwerksburschen, später von Soldaten gesungen
in: Soldatenlieder-Sammlung (1914-1918) — Mutter der Mann mit dem Koks ist da (1977)

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