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Franz Magnus Böhme hat im Vorwort seiner bedeutenden Sammlung mit volkstümlichen Liedern dargelegt, wie sich aus seiner Sicht das volkstümliche Lied vom eigentlichen Volkslied unterscheidet - hierbei erwähnt er auch Gassenhauer, Flugblattlieder und ähnliche. Ohne seine Ansichten werten zu wollen, bilden diese doch die Grundlage für seine auch heute noch bedeutende Sammeltätigkeit und das Vorwort lässt Rückschlüsse darüber zu, was er als "minderrwertig" gar nicht erst aufgenommen hat.
Was singt das Volk?
Auf diese Frage, welche für Volkserziehung und Kulturgeschichte sowie für Dichter, Komponisten und Literarhistoriker nicht gleichgültig sein kann, lautet die auf Beobachtung gestützte Antwort: das Volk singt nicht nur seine alten Lieder der Überlieferung von ungekannten Verfassern - Volkslieder im engeren Sinne - sondern daneben auch eine Menge von Liedern in der einfachen Art der Volkslieder, durch Kunstdichter verfaßt, deren Verfasser zumeist nachweisbar sind: das sind die sogenannten volkstümlichen Lieder oder Volkslieder im weiteren Sinne. Außer diesen werden noch Gesänge von zweifelhaftem Werte gehört. die als Flugblätter "gedruckt in diesem Jahr" auf Jahrmärkten verkauft, oder als Tingeltangelverse in Spielhallen, oder als Couplet in niederen Possen und Operetten gesungen wurden und auf diesen Wegen ins Volk eingedrungen sind. Diese modernen Gassenhauer haben hinsichtlich des Ursprungs mit dem Volksliede etwas gemeinsam, nicht aber deren Wert und Lebensdauer, glücklicherweise treten sie nur vorübergehend auf, und nachdem sie eine kurze Zeit Mode gewesen, verschwinden sie wieder.
Wir befassen uns hier mit den volkstümlichen Liedern. (Der Name ist nicht durch Hoffmann von Fallersleben aufgekommen, sondern schon 1835 vom Freihernn von Erlach in seinen Volksliedern (V. Bd. S. 23) gebraucht.) So nennen wir die von bekannten oder unbekannten Dichtern und Komponisten verfassten Kunstgesänge, die wenig oder mehr verändert in den Volksmund übergingen und "Lieblingslieder" geworden sind, ohne wirkliche Volkslieder zu sein. - Diese, von Gebildeten und Ungebildeten, gern gesungenen Lieder stehen in der Mitte zwischen Kunst- und Volkslied. Betrachten wir darum ihr Verhätnis zu beiden etwas genauer.
Das volkstümliche Lied enstammt den Kreisen der Gebildeten, ist aber nach Inhalt und Sprache in den allgemein verständlichen Ausdrücken und Wendungen abgefaßt und wird darum von den Massen gesungen. Diese ansprechenden Kunstdichtungen werden aber zu wirklichen Volksliedern, sobald das Volk sie in seiner Art "verarbeitet" hat (davon weiter unten).
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Lieder, Reime und Spiele mit "Volkstümliche Lieder der Deutschen" im Volksliederarchiv:
Ach Andreas heiliger SchutzpatronAch Andreas heil´ger Schutzpatron schenke mir doch einen Mann sieh herab auf meinen Spott und Hohn sieh mein hohes Alter an krieg ich einen oder keinen? Einen!
Ach könnt ich Molly kaufen (Molly´s Wert)Ach, könnt´ ich Molly kaufen für Gold und Edelstein und hätte große Haufen die sollten mich nicht reu´n Zwar wühlt sich´s hübsch im Golde Wohl dem, der wühlen kann Doch ohne sie, die Holde was hätt´ ich Frohes d´ran
Alles liebt und paart sich wiederAlles liebt und paart sich wieder Liebend steigt der Lenz hernieder Und umarmt die junge Flur Mild erteilt er seine Triebe Mit dem Zauberblick der Liebe Jedem Wesen der Natur
Alles liebt und paart sich wieder (1801)
Alles liebt und paart sich wieder Liebend steigt der Lenz hernieder Und umarmt die junge Flur Süßes sehnendes Verlangen einem Wesen anzuhangen lebt und webt durch die Natur
Aus ihrem Schlaf erwachet von neuem die NaturAus ihrem Schlaf erwachet von neuem die Natur seht, wie die Sonne lachet heraus auf unsere Flur Sie wärmet uns nun wieder mit ihrem gold´nen Strahl der Hirten Flötenlieder ertönen in dem Tal
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