Und die gelben Fluren nieder taumelt (Zum Sedanfest)

Freiheitslieder | Lieder gegen den Krieg | | 1896

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Die Noten zu "Und die gelben Fluren nieder taumelt (Zum Sedanfest)":

2988

Und die gelben Fluren nieder
taumelt welk der Schmuck der Bäume
herbstlich öde und verlassen
ruh´n des Friedhofs stille Räume
nur in einer kleinen Ecke,
drüber rankt die Trauerweide
kniet ein Weib mit bleichen Zügen
und in ärmlich dunklem Kleide
Ihr Hände sind gefaltet,
ihre Lippen beben leise
und von ihren Wimpern tropfen
reiche Tränen, bittere, heiße

Denn vor ihr im kleinen Hügel,
eng für immer eingeschlossen
ruht ihr einz´ger Sohn ,der liebe:
in der Schlacht war er erschossen
ruht der Sohn, der Mutter Wonne
und ihr Stolz in allen Tagen
der mit seiner starken Schulter
half ihr alle Lasten tragen
der mit frischer Kraft genschritten
an die Arbeit keden Morgen
der von seiner Mutter Seele
fern das Kümmern hielt und Sorgen

In der Schlacht war er erschossen, schläft jetzt stumm in kühler Truhe
und die Mutter betet leise: “Herr gib ihm die ew´ge Ruhe!”
Horch! Das klingt von fern ein Brausen wie von wilden Meereswogen
wie wenn dichte Menschenscharen lautvoll durch die Gassen zogen
Kränze wehn und von den Giebeln bunte Fahnenwimpel wallen
Langezogene Glockenklänge und Geschützesdonner hallen

Vor dem Rathaus auf dem Markte drängt sich Kopf an Kopf die Menge
auf der Bühne spricht ein Redner, spricht mit Feuer, Ernst und Strenge
spricht vom großen Sedansiege und von Gottes gnäd´ger Führung
von der Herrlihkeit des Reiches, von des Kampfesfeuers Schürung
Spricht, daß all´ der Tapfern Name sei im Heldenbuch zu lesen
daß für König und für Heimat sei so süß der Tod gewesen

Spricht von Pflicht und Volkesfreude, von des Zweiflerschwarms Gemeinheit
spricht vom großen deutschen Geiste, von der großen deutschen Einheit
Spricht´s – und aus viel tausend Kehlen bricht ein Sturm von Beifallstönen
daß in´s Land die Widerhalle und hinauf zum Himmel dröhnen

In des Friedhof´s stiller Ecke, an des kleinen Grabes Rande
kniet die Mutter noch in Tränen, noch in dunklem Klaggewande
betet noch und betet wieder: “Herr! Gib ihm die ew´ge Ruhe!”

Ferner braust der Jubel weiter, – ach, der Lärm von tausend Siegen
kann den Jammer einer Mutter um ihr Kind nicht überwiegen

Text: Fr. Stolze –
ohne Melodie in Max Kegel : Sozialdemokratisches Liederbuch von 1896 , S. 121
gleichzeitig der letzte Text dieses kleinen Liederbuchs



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