Seht da steht der große Hecker

Freiheitslieder | 2006
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Seht, da steht der große Hecker,
eine Feder auf dem Hut,
seht, da steht der Volkserwecker,
lechzend nach Tyrannenblut!
Wasserstiefeln, dicke Sohlen,
Säbeln trägt er und Pistolen,
und zum Peter sagte er:
„Peter, sei du Statthalter!“

„Peter“, sprach er, „du regiere
Konstanz und den Bodensee,
ich zieh aus und kommandiere
unsere tapfre Arimee;
mit Polacken und Franzosen
wird der Herwegh zu mir stoßen,
und der stirbt lebendig eh’r,
als daß er ein Hundsfott wär.“


Pflästerer und Schieferdecker,
alles, niederig und hoch,
alles jauchzte unserm Hecker,
als er aus zum Kampfe zog.
Handwerksburschen, Literaten,
Tailleurs, Bauern, Advokaten,
alles folgte rasch dem Zug,
als er seine Trommel schlug.


Rumbidibum, so hört man’s schlagen,
Rumbidibum, Dumdumdumbum;
und bei Straf ließ Weißhaar sagen
rings im ganzen Land herum:
„Tut euch schnell zusammenraffen,
gebt mir Mannschaft, Pferde, Waffen,
oder ich bring alles um;
Rumbidibum, Dumdumdumbum!“


Durch die Baar tat man jetzt wandern
und hernach ins Wiesental
und daselbst stieß man bei Kandern
auf Soldaten ohne Zahl.
Edler Gagern, wackre Hessen,
wollt ihr euch mit Hecker messen?
Gagern, du kommst nicht zurück,
vivat hoch die Republik!


Gagern wollt parlamentieren,
doch das ist nicht Heckers Art:
„Ich“, sprach er, „soll retirieren;
ich mit meinem roten Bart?“ –
Ach! nun hört man Schüsse knallen,
General Gagern sah man fallen –
und der tapfre Hinckeldey
saß zu Pferde auch dabei.


Und als Gagern war gefallen,
fing man leider auf dem Rhein,
zur Bekümmernis uns allen,
unsern edeln Struwel ein;
man tat ihn in Eisen legen,
aber von des Heckers wegen
ließ der Oberamtmann Schley
den Gefangnen wieder frei.


Kaiser, Weißhaar, Struwel, Peter,
alle trieb man allbereits
gleichsam als wie Übeltäter
in die schöne, freie Schweiz.
Doch der Peter, der kam wieder,
legt die Statthalterschaft nieder,
„denn“, sprach er, „ich werde alt
und verlier sonst mein Gehalt.“


Hecker, sag, wo bist du Hecker?
legst die Hände in den Schoß?
Auf nun, du Tyrannenschrecker,
jetzt geht es auf Freiburg los!
Baden, Hessen und Nassauer
stehen dorten auf der Lauer.
Doch wir kommen schon hinein,
denn neutral will Freiburg sein.


All die schönen Stadtkanonen,
großer Hecker, sie sind dein;
und man ladet blaue Bohnen
nebst Kartätschen schnell hinein.
Langsdorf will rekognoszieren,
läßt sich auf den Münster führen
und guckt durch ein Perspektiv,
ob es gut geht oder schief.


Oben her vom Günterstale,
hinter Wald und Hecken vor,
kam im Sturm mit einem Male
Siegels wildes, tapfres Korps.
Aber unsre Hessenschützen
ließen ihre Büchsen blitzen,
und das Korps zog sich zurück, –
aus war’s mit der Republik!


Denn hinein zu allen Toren
stürmte jetzt das Militär,
und die Freischar war verloren
trotz der tapfern Gegenwehr;
alle, die sich blicken ließen,
tat das Militär erschießen;
alle Führer gingen durch
und eroberten Freiburg.


Doch nun kamen Herweghs Scharen,
er und seine Frau kam nach,
kamen in des Chais gefahren
auf dem Weg nach Dossenbach.
Doch zu ihrem großen Ärger
sah man dort die Württemberger;
Miller, dieser grobe Schwab,
Kam von einem Berg herab.


Heckers Geist und Schimmelpfennig
machten da den Schwaben warm:
Herwegh sah’s, er fuhr einspännig,
und es fuhr ihm in den Darm.
Unter seinem Spritzenleder
forcht er sich vorm Donnerwetter;
heiß fiel es dem Herwegh bei,
daß der Hinweg besser sei.


„Ach Madamchen“, tat er sagen,
„aus ist’s mit der Republik!
Soll ich Narr mein Leben wagen?
Nein, für jetzt nur schnell zurück!
Laß für meinen Kopf uns sorgen,
komm ich heut nicht, komm ich morgen;
ach, wie kneipt’s mich in den Leib,
wende um, mein liebes Weib!“


Und Madam hieß ihn verkriechen
sich in ihren treuen Schoß,
denn er konnt kein Pulver riechen,
und es ging erschrecklich los;
Schimmelpfennig ward erstochen,
manche Sense ward zerbrochen,
und erschossen mancher Mann,
die ich nicht all nennen kann.


Also ist’s in Baden gangen;
was nicht fiel und nicht entfloh,
ward vom Militär gefangen,
liegt zu Bruchsal auf dem Stroh. –
Ich, ein Spielmann bei den Hessen,
der kann Baden nicht vergessen,
der den Feldzug mitgemacht,
habe dieses Lied erdacht.


Text: Karl Gottfried Nadler –
Musik: auch Peter Rohland –


Karl Gottfried Nadler wurde unter anderem bekannt durch Spottgedichte auf die Märzrevolution von 1848. Auf Grund dieser Ballade „Seht, da steht der große Hecker„, die als Flugschrift verbreitet wurde, verübten zwei der Anhänger Heckers ein Attentat auf Nadler, an dessen Folgen er später im Alter von 40 Jahren verstarb. Nach seinem Tode erfuhr die Sammlung „Fröhlich Palz, Gott erhalt’s“ im Jahre 1851 eine erweiterte Neuauflage, in die auch der „Große Hecker“ Aufnahme fand.







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