Schließ Aug und Ohr für eine Weil (Lied der Weissen Rose)

Edelweisspiraten | , | 2005
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Schließ Aug und Ohr für eine Weil
vor dem Getös der Zeit.
Du heilst es nicht und hast kein Heil
als wo dein Herz sich weit´

Die Stunde kommt da man dich braucht
Da sei du ganz bereit
und in das Feuer das verraucht
wirf dich als letztes Scheit

Dein Amt ist Hüten, Harren, Sehen
In die Ewigkeit.
So bist du schon im Weltgeschehen
Befangen und befreit.

 

Text: Friedrich Gundolf
Musik:  vertont von Alfred Zschiesche (1933) – auch von Karl Marx (1951?), Paul Becker ?
Katholisches Jugendlied , u.a. so gesungen bei der religiösen Jugendtagung in Altenberg Ostern 1940
(Quelle)

 

„Schließ Aug und Ohr“ galt während der NS-Zeit als eine Art „Besinnungslied“ unter den verbotenen und damit illegalen Jugendgruppen. Der Text stammt von dem jüdischen Dichter und Literaturwissenschaftler Friedrich Gundolf , zu dessen Studenten 1921 pikanterweise auch der berüchtigte spätere NS-Propagandaminister Goebbels zählte, der Gundolf verehrt haben soll. Gundolf selbst gehörte – wie etwa auch Rainer Maria Rilke – zum Kreis um den populären Dichter Stefan George, dessen Lyrik und Weltbild die Jugendbewegung stark beeinflussten. Gedruckt wurde das Lied erstmals in der Zeitschrift „Jugendland“ im Wolff-Verlag, fand seine größte Verbreitung dann aber durch die Aufnahme in das 1933 erschienene und überaus populäre Heft „Lieder der Südlegion“.

Das Stück wirkt abgehoben und vergeistigt, ja in Teilen sogar esoterisch, was aber in der damaligen Zeit nicht ungewöhnlich und für den George-Kreis durchaus typisch war. Gesungen wurde es trotz seiner bündischen Herkunft offenbar vorwiegend in katholischen Kreisen, so etwa Ostern 1940 bei einer religiösen Jugendtagung in Altenberg. Das Lied galt auch als Lieblingslied des aus der katholischen Jugendbewegung hervorgegangenen „Grauen Ordens“, dessen Leiter Willi Graf später der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ angehörte. Hier wiederum war es insbesondere Sophie Scholl, die „Schließ Aug und Ohr“ so populär machte, dass es schließlich als „Lied der Weißen Rose“ galt. (Quelle)







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