Papiers Natur ist Rauschen (Schreiber-Lied)

Arbeitslieder - Handwerkerlieder | | 2006
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Papiers Natur ist Rauschen
Und Rauschen will es viel
Man kanns nit wol vertuschen
Dann es stets rauschen will;
Es rauscht an allen Orten
Weil sein ein Stücklein ist:
Desgleichen die Gelehrten
duschen ohn argen List

Aus Lumpen thut man machen
Unedlen Schreibern Zeug;
es möcht wohl jemand lachen
Führwahr es ist nit Leng:
Alt Lumpen schon gewaschen
darzu man brauchen thut.
Hebt manchen aus der Aschen,
Der sonst leibt große Noth.


Ein Feder hintern Ohren
Zu Schreiben zugespitzt
Thut Manchem heimlich Zoren
Da vorn der Schreiber sitzt
Für andern Knaben allen;
Ob man ihn Schreiber heißt
So thuts den Fräulein g’fallen
Und liebt ihn allermeist.


Die Dinten in der Flaschen
Den edlen Schreibern werth
Oft füllt ihn ihre Taschen;
Kein edler Kunst auf Erd
Dann wann man so thut schmieren
Papier mit Dinten schon
Daran thuns nichts verlieren
Und giebt ihn guten Lohn.


Die Schreiber muß man haben
Sampt ihrem Zeug und Gunst
Nach ihnen thut man traben
Der Schreiber ist die Kunst;
Vorm Schreiber muß sich biegen
Oft mancher stolze Held
Und in ein Winkel schmiegen
Wiewohl es ihm mißfällt.


Das Schreiben ist alleine
Der allerhöchste Schatz
Ob mans gleich thut verkleinen
Doch bhälts allein den Platz:
Den Glauben thuts erhalten
Macht guten Fried im Land
Das sich sunst thät zwiespalten
All andern Künst sind Tand.


Ein Schreiber will ich bleiben
Ein Schreiber will ich sein
und thun hiemit verschreiben
Der Allerliebsten mein:
Damit will ichs beschließen
Der selben lobesan;
Obs Jemand wird verdrießen
Dem Schreiber leit nichts dran.


um 1550







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