O sehet hin o sehet hin (das Münchener Pulvermagazin)

Balladen und Moritaten | | 2008
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O sehet hin o sehet hin
das Münchener Pulvermagazin
es hat gepufft, es hat geknallt
daß es bis Regensburg erschallt
Es flog in d´Luft, o sehet hin
das Münchener Pulvermagazin

Das Ganze tat ein böser Bu
er hatte längst schon keine Ruh
im ganzen Land war er bekannt
Stanislaus Schmidt war er genannt
Sechs Schuh, zwei Zoll und dreißig Jahr
ist er gewesen auf ein Haar


O sehet nur den bösen Wurm
er sprengte gar den Pulverturm
mit einem chem´schen Feuerzeug
entzündet er das Pulverreich
nachdem umsonst schon solche Tat
im Grünwald er versuchet hat


Es war am Samstag nachmittag
da tat es einen großen Krach
man meint, der Blitz hätt´es getan
o sehet nun den Jammer an
viel tausend Fenster war´n entzwei
und dreizehn Menschen auch dabei


Sie flogen alle in die Luft
und fnden auch allda die Gruft
bei Schwabing lag ein toter Fuß
und eine Hand am Isarfluß
und große Stücke Eingeweid´
die lagen in der Luft zerstreut


In seinem Bette, wo er schlief
da fand man einen offnen Brief
dem Publikum ward´s nicht bekannt
was alles drin geschrieben stand


Drei Tage drauf, als dies geschehn
sieht man den Zug zum Kirchhof gehn
das ganze Münchener Militär
zog hinter ihrem Leichnam her
O denket an die böse Tat
die ihres Gleichen noch nicht hat

Text und Musik: unbekannt
in Feuerwerker-Liederbuch (1883)


Hintergrund des Liedes: Am 16. Mai 1835 gegen 15:30 Uhr erschütterte eine Explosion das Oberwiesenfeld in München, deren Druckwelle nach Zeitzeugenberichten noch in der Türkenstraße die Fenster zerspringen ließ und einen Teil des Daches der Frauenkirche abdeckte. Der Artillerist Stanislaus Schmitt hatte sich selbst mit 15.000 kg Schwarzpulver im Pulverturm in die Luft gesprengt. Mit ihm starben noch neun weitere Menschen, die sich zum Zeitpunkt der Explosion auf dem Gelände aufgehalten hatten. Schmitt wollte sich wegen schlechter Behandlung durch einen Vorgesetzten das Leben nehmen und dazu möglichst viele Menschen mit in den Tod reißen. Der Tag, den er für seinen Anschlag gewählt hatte, fiel mit einer geplanten Lehrvorführung für das Kadettenkorps zusammen, die lediglich aufgrund der Erkrankung des Kommandeurs kurzfristig abgesagt worden war.
(zitiert nach Wikipedia)







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