Nun wollen wir aber heben an (Sendlinger Bauernschlacht)

Freiheitslieder | | 2013
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Nun wollen wir aber heben an
Von einer Christnacht melden
Aus den Bergen ziehn gen München heran
Fünftausend mannliche Helden


Der Gemsbart und der Spielhahnschweis
Sind drohend gerückt nach vorne
An ihren Bärten klirrt der Reis
Ihr Auge glüht vor Zorne


Sie schwenken die Sense, die Keule,  das Schwert
Fünfhundert sind mit Büchsen bewehrt
Und wie die Schneelahn wächst die Schar
Von den Bergen rollend im Monde klar
Ein Fähnlein himmelblau und weiß
Trägt vor dem Zug ein riesiger Greis
Das ist der stärkste Mann des Lands
Der Schmied von Kochel, der Meier Hans
Von seinen Söhnen sieben
ist keiner zu Haus geblieben

O Churfürst Max Emanuel
Wir müssen´s bitter klagen
Daß du für Habsburg Leib und Seel
So oft zu Markt getragen
Du Belgradstürmer, du Mohrentod
Du mußtest in´s Elend wandern
Und brichst französisch Gnadenbrod
Zu Brüssel jetzt in Flandern
Es irrt dein Weib aus der Landesflucht
Deine Waisen weinen in Feindes Zucht
Gebrandschatzt darben die reichen Gau n
Man sengt die Fluren man schändet die Fraun
Man rädert die Männer um leisen Verdacht
Man reißt die Söhne vom Stroh zu Nacht
Sie nach Ungarn zu trommeln in´s heiße Blei
Das Maß ist voll, es birst entzwei
Drum lieber bayrisch sterben
Als kaiserlich verderben


Auch hat die Münchner Bürgerschaft
Uns einen Brief geschrieben
Daß sie mit ungebrochner Kraft
In Treue fest geblieben
Wenn wir den roten Isarturm
Nach Mitternacht berennten
Erhöben drinnen sich zum Sturm
Die Bürger und Studenten
Denn wie den letzten teuersten Schatz
Vergruben sie am geheimsten Platz
Was ihnen geblieben an Waffen und Wehr
Sie sprechen am Tage sich nimmermehr
Doch tief in den Kellern bei Fackelbrand
Reicht sich die ganze Stadt die Hand
Allnächtens zieht von Haus zu Haus
Ein unterirdisches Gebraus
Ein Lieber bayrisch sterben
Als kaiserlich verderben 


Wir klopfen an´s Thor nun laßt uns ein
Da geht von den Wällen ein Blitzen
Und feurigen Tod zum Willkomm spei´n
Gutkaiserliche Haubitzen
Und Straßen aus und Straßen ab
Musketen und Granaten
Wer hat die Landsleut an das Grab
An Oesterreich verraten
Der Pfleger von Starnberg war der Wicht
Mein Lied nenn seinen Namen nicht
Verdammniß und Vergessenheit
Begrab ihn heut und allezeit 
Sein Kleid sei gelb sein Haar sei rot
Sein Stammbaum des Ischariot
In Thränen flucht die Bürgerschaft
Ihr blieb keine Klinge kein Rohr kein Schaft
Sie ward in wenig Stunden
Entwaffnet und gebunden


Tech spie die Höll aus dem roten Thurm
Der Landsturm von den Bergen
Er nimmt die Münchner Stadt mit Sturm
Trotz Kaiser Iosephi Schergen
Die Brücke dröhnt die Nacht wird hell
Hie Wirbeln Schreien Knallen
Vom Hurrah Max Emanuel
Die Gassen wiederhallen
Schon ries der Feldmarschall von Wendl
Die Sache nimmt ein schlechtes End
Wo bleibt des Kriechbaum Reiterei
Ich ries sie doch im Flug herbei
Da rasselten über den Brückenkops
Mit rothem Mantel und doppeltem Zopf
Die fremden Schwadronen die Kreuz und die Quer
Von den Wällen schlugen die Bomben schwer
Die Landsleut in der Mitten
Die haben viel hart gestritten


Sie flohen über die Haide breit
Durch tief verschneite Fluren
Im Rücken und an jeder Seit
Kroaten und Panduren
Dort sind wohl ihrer tausend und meh
Unter Rosseshufe gesunken
Und haben den blutigen Weihnachtschnee
Als Wegzehrung getrunken
Ein Friedhof steht am Hügelrand
Den erklommen die Bauern mit Knie und Hand
Aus dem Glatteis ringend im Einzelkampf
Unter Kolbenstoßen im Pulverdampf
Bis von dem Rest der treuen Schar
Der steile Hof erklettert war
Da stieß in ein verschneites Grab
Der greise Schmied den Fahnenstab
Hie lieber bayrisch sterben
Als kaiserlich verderben


Heiß kochte der Schnee die Nacht war lang
Durch’s Knattern der Musketen
Zog sich’s wie Orgel und Glockenklang
Wie fernher wanderndes Beten
Und ein Bauer ein weißes Tuch ausband
Er that´s an der Sense schwenken


Er mußte des Jammers im bergigen Land
Der Witwen und Waisen gedenken
von der Zugspitz bis zum Wendelstein
Nur Sturmgeläut und Feuerschein
Derweil zwischen Hufschlag, Schnee und Blei
Wir sruchtlos sallen vor Hahnenschrei Wir haben’s verspielt ohne Nutz und Lohn Drum seindlicher Obrist gib uns Pardon Daß die Dreihundert die wir noch sind Heimziehen dürsen zu Weib und Kind Draus ist unter Blitz und Knallen Der Sprecher vom Stein gesallen Da schlossen um’s flammende Gotteshaus Die Laudslent eine Kette Und knallten und schrie n in die Nacht hinaus Eine surchtbare Weihnachtmette Als der Hahn im Dorse zu krähen begann War all ihr Blei verschossen Sie hingen würgend Mann an Mann Aus den schäumenden Ungarrosseni Und als an die Glocken der Frühwind suhr Da stand von den Bauern ein einziger nur Das war der stärkste Mann des Lands Der Schmied von Kochel der Meier Hans


Mit einer Kenle von Eisenguß Drasch er sie nieder zu Pserd und Fuß Doch als die Sonne zur Erde sah Seine sieben Söhne lagen da Um’s Fähnlein das zersetzte Der Vater war der letzte Nun tröst ench Gott im Himmelreich Ihr abgeschiednen Seelen Es wird von solchem Bauernstreich Noch Kindes Kind erzählen Wol manch ein Mann wol manch ein Held Geht um in dentschen Weisen Wir wollen den der Trene hält Vor allen andern preisen Der trotz Verrath und Hochgericht Von seinem Wort kein Iota bricht Jetzt aber sagt wo kehren wir ein Ich denk hent soll’s in Sendling sein Vorbei am Friedhos sührt die Straß Da grüßen wir nnter’s verschneite Gras Hie lieber bayrisch sterben Als kaiserlich verderben
 


Die Sendling Nauernschlacht l705

Text: Hans Demetrius Ritter von Hopfen (geboren 1835 in München , gestorben 19. November 1904 in Groß-Lichterfelde )?
in: Ein Münchner Dichterbuch , herausgegeben von Emanuel Geibel (1862)







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