Nun höret an und schweiget still (Marksteinlied)

Balladen und Moritaten | | 2011
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Nun  höret an und schweiget still
und hört was ich euch will singen
was ist geschehn im Böhmerland
in der Stadt Schweiz gar wohl bekannt
zwei böse Nachbarn wohnten da

Zwei böse Nachbarn wohnten da
in Zank und Streit sie lebten
der Reiche war ganz Übermut
den Armen zu bringen um Hab und Gut
tat ihm allzeit nachstellen


Es tat dem Armen drei Schritt vom Feld
dem Markstein heraus heben
und tat ihm wieder drei Schritt vom Feld
den Markstein wieder einheben
Der Arme schaut ganz traurig zu
die Schmerzen lassen ihm keine Ruh
tat endlich zu ihm gehen


Nachbar liebster Nachbar mein
sollt ihr euch denn nicht schämen
daß ihr mir von meinen Kinderlein
drei Schritt vom Feld wegnehmen
Es ist ja meiner Eltern Gut
das sie haben erworben mit Schweiß und Blut
das sollt ihr nicht begehren


Er nahm den Armen wohl bei den Haaren
tat ihnen zu Boden reißen
er schlug als immer so erbärmlich drein
sprach „Du mußt es mir beweisen
ob nicht der Stein steht auf meim Grund
und mir gehört du Bettelhund
Wollst mir ihn gar ausreißen!?“


Sie kommen miteinander vor die Obrigkeit
der Arme tat als klagen
es wurd sogleich ein teurer Eid
dem Reichen vorgetragen
der Reiche war sogleich bereit
zu schwören einen körperlichen Eid
ganz billig unverzaget


Die beiden gingen als wiederum heim
der Arme tat als sprechen:
„Es ist mir fürwahr Unrecht geschehen
im Himmel wird es Gott rächen
und wenn ich an dem Sterben lieg
vorm jüngsten Gericht verklag ich dich
dort mußt dich mir stellen“


Der Reiche lacht als nur dazu
sprach „Geh in Gottes Namen
und sei es gleich spät oder früh
alldort kommen wir zusammen“
Dieselbe Nacht – o Traurigkeit –
unter grossen Schmerzen und Herzeleid
der Arme ist gestorben


Es geht bis an den dritten Tag
der Reiche aufs Todesbett muß liegen
Man ruft den Priester in christlichen Gebrauch
wollt ihm zur Beicht bewegen
„Ach geht hinweg in Ewigkeit
sein ich verflucht, vermaledeit
muß in der Hölle braten“


Kohlschwarz wird er im Angesicht
mit den Händen er ganz schrecklich flankiert
er wälzt sich als hin und her
bis nachts um zwölf Uhren ungefähr
drei Teufel ihnen fortführen


Ach spiegelt euch ihr Nachbarsleut
die ihr miteinander müßt leben
und tuet nichts aus Übermut
dem andern sein Gut begehren
und wie der reiche Mann hat getan
spiegelt euch daran ihr Frau und Mann
wenn ihr wollt selig sterben

Text und Musik: anonym
in Verklingende Weisen ( Volkslieder aus Lothringen , Band III , 1933)







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