Merket auf ihr Christenleut (Bauernstand)

Bauernlieder | | 2006
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Merket auf, ihr Christenleut!
Was ich sing´ zu dieser Zeit
Vom Bauernstand. Gar wohlbekannt
Was die Bauern müssen leiden
Jetzt in den betrübten Zeiten
Dennoch sind sie sehr veracht
Einem Hund schier gleich geacht

Alle Menschen in dem Land
kommen her vom Bauernstand
jeder mit Fleiss
merk auf Beweis
wie vom Adam ist zu lesen
so ein Ackersmann gewesen
Dieser war der erste Mann
der die Erde pflanzte an


Jedermann bedenk es fein
dass wir alle insgemein
dem Bauernstand gar nah verwandt
Wer die Sach tut recht betrachten
wird die Bauern nicht verachten
alle Menschen in dem Land
ernähren sich durch Bauernstand


Jeder denk, wie schön es steht
wenn der Bauer zum Acker geht
Zur Frühlingszeit ins Feld mit Freud
seinen Samen auszusäen
wo man schneiden kann und mähen
Dass man auf die Winterzeit
Nahrung hat für Vieh und Leut


Wenn der edle Fried im Land
Kann sich nähren jeder Stand
auch Jedermann was haben kann
Wenn man tut im Sommer säen
Felder voller Früchte stehen
Vieh und Schäflein auf der Weid
ernähren sich mit Lust und Freud


Kälber, Schafe, Schwein und Rind
die zum Schlachten tüchtig sind
Man haben kann vom Bauersmann
Gänse, Enten, Hühner, Tauben
jedermann kann´s kecklich glauben
Ja die beste Küchenspeis
Die zieht die Bäuerin auf mit Fleiss


Nützlich ist der Bauernstand
Bauern pflanzen allerhand
Die Früchte, Wein, was mehr tut sein
Reben, Kraut und grüne Waren
um damit in die Stadt zu fahren
wo auf Märkten jedermann
ums Geld etwas kaufen kann


Wer will alles zeigen an
was der gute Bauersmann
im ganzen Land schafft zu der Hand
Allerlei der guten Gaben
Was wir Menscben müssen haben
gibt uns Gott durch Bauershand
wenn anderseits nur Fried im Land


Aber wo ein Krieg entsteht
Alles drunter und drüber geht;
Wie allbereit zu dieser Zeit,
Da man hört an allen Orten
Rauben, plündern, brennen, morden,
Daß der Bauer muß von Haus,
Da ist Elend überaus.


Wo die Dörfer ohne Leut
in der Gegend weit und breit
die Häuser leer, kein Vorrat mehr
und das Vieh hinweggetrieben
Nichts mehr übrig ist geblieben
Da ist´s, dass man sagen kann
Ach Gott, du armer Bauersmann!


Wenn die Stadt vom Feind besetzt
eingenommen und verletzt
Kein Laden auf , nichts zum Verkauf
Lebensrnittel sind verzehret,
dass man jeden sagen höret:
wenn uns nur der Bauersmann
in diesem Zustand helfen kann


Wo die Felder liegen öd
und kein Pflug im Acker geht
der Bauersmann nicht pflanzen kann
Müssen wir vor Hunger sterben
grosse Herren auch verderben
da heisst es; Hilf uns Gott
durch Bauersleut aus dieser Not


Auf der Welt Ist gar kein Mann
der mit Wahrheit sagen kann
dass nicht im Land ein jeder Stand
sich vom Bauer muss ernähren
ja, wie manchem grossen Herren
ständen Kisten und Kasten leer
wenn Ackerbau verhindert wär


Keiner, der da steht in Tracht
nur die Bauersleut auslacht
Der ist nicht wert, dass man ihn ehrt
Bauersleut, die soll man ehren
ihre Zunft, die soll man ehren
Dieses Lied hat man gemacht
nur dem zum Trotz, der sie veracht

In Verklingende Weisen – Volkslieder aus Lothringen Band II , 1928


Zwei Strophen (1. und 10.) diesen längeren Liedes aus dem 17. Jahrhundert finden sich auch bei Wolfgang Steinitz II , S. 66. Er schreibt dazu: „In der Mitte des 17.Jhs. sind von Bauernfreunden eine Reihe von Bauernpreisliedern verfaßt worden, die auch kritische Verse enthalten und sich zum Teil bis ans Ende des 19. Jhs. erhalten haben. So z. B. l. J. H. Schmitz, Sitten und Bräuche, Lieder … des Eifler Volkes, Trier 1856, S. 146ff. (17 Str.). — Eine Fassung mit 12 Str. bei Pinck , Lothring. II S. 142 (Merket auf, ihr Christenleut… Was die Bauern müssen leiden Zu so vielen bösen Zeiten. Mancher hat sie so veracht. Daß er sie schier für nichts geacht.). „

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