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Das Marlborough Lied der Franzosen

Das berühmte Marlborough Lied entstand zuverlässig nach der Schlackt bei Nalplaquet im Jahre 1709 und nicht erst nach dem Tode John Churchill´s Herzog von Marlborough im Jahre 1722, wie einige ernsthafte Commentatoren dieses historischen Scherzes vermeint haben. Keine Stelle diese kleinen Volksliedes läßt eine Beziehung auf das wirkliche Ableben des Herzog von Marlborough zu. Als dieser berühmte Feldherr am 17 Juni t722 auf seiner Besitzung zu Windsor Lodge an den Folgen eines Schlagflusses starb hatte er seit sechs Jahren nicht mehr an der Spitze der Heere gestanden, seit zehn Jahren in der europäischen Politik nur eine dunkle untergeordnete Rolle gespielt und die Franzosen, damals (wie sie zugeben) noch leichteren Sinnes als heutzutage, hatten Zeit genug gehabt ihn zu vergessen.

Als Georg I den Thron bestieg, berief er den Herzog wieder an den Hof, von welchem Königin Anna ihn und seine Gattin entfernt hatten, doch nur um von ihm Ratschläge zu erhalten, die er nicht immer befolgte- Der Herzog lebte daher sehr abgeschieden auf seinen Gütern wo es ihm sogar an genügender Barschaft fehlte um das prachtvolle Schloß Blendheim auszubauen, welches Königin Anna und das englische Parlament auf ihre eigenen Kosten zum Andenken des glänzenden Sieges bei Hochstätt hatten bauen wollen er verfiel in fast kindische Schwäche und verschied endlich unter den Augen der  Lady Marlborough welche selbst sein prachtvolles militärisches Leichenbegängniß anordnete.

Das Lied ist also älter als des Herzogs Tod dessen Kunde nur in England wiederhallte und als genügender Beweis dafür kann ein altes Märchen in Prosa gelten das dem Liede beigefügt war und in welchem es hieß, Marlborough sei in der Schlacht bei Malplaquct die zwischen Möns und Bevay am 11. September 1709 geschah getötet worden. An diesem für die französischen Waffen so glorreichen Tage wurde selbst nach dem Geständnisse englischer Geschichtschreiber der Marschall Villars am Knie verwundet eben als er im Begriffe stand den Herzog von Marlborough zwischen den beiden Flügeln des französischen Heeres zu erdrücken.

In diesem entscheidenden Augenblicke schwebte Marlborough in der größten Gefahr und war nahe daran das Schicksal von fünf seiner General Lieutenante zu theilcn die in dem Gcwühlc den Tod fanden. Ohne Zweifel verbreitete sich auch ein Gerücht seines Todes und ein launiger Sänger verfaßte ihm diesen Grabgesang im Bivouac von Quesnoy am Abende nach der Schlacht um sich zu trösten darüber daß er kein Hemd besaß und seit drei Tagen ohne Brot war, allein das ist der Charakter des Franzosen.

Der Herzog von Marlborough gleich groß als Feldherr wie als Staatsmann hatte der Machtherrschaft Ludwigs XIV viele Abbruch gethan dreißig Jahre hindurch hatte er sie verfolgt angegriffen geschwächt auf allen Schlachtfeldern in allen CabinctlcnEuroxa’s zu Hochstätt zu Oudenarde zu Namillies hatte er sich als einen würdigen Zögling Conds sundTurenne’s erwiesen sein Name war der Schrecken und die Bewunderung des Soldaten Da man ihn nicht besiegen konnte so besang man ihn und jede seinn Tro vböen war von einem neuen satvrischen Liedchen begleitet Da Lied tDKsnson war damals noch in Frankreich wie zur guten alten Zeit des CardinalS Mazarin der gewöhnliche Ausdruck für des Volkes Rachsucht und Vergeltungsluft Dennoch überlebte das Marlborough Lied den Helden von Malxlaquet nicht nur durch Tradition erhielt es sich in einigen Provinzen wohin eö die Soldaten eines Villars und einesBousflers gebracht haben mochten eS wnrdc nicht einmal i die höchst reichhaltigen Sammlungen anekdotischer Lieder aufgenommen die einen Theil der Archive des französijchen Adel ausmachten Plötzlich ertönte es wieder im Jahre l7öl von einen Ende des Reiches zum andern Dem Dauphin war in diesem Jahre zur Amme eine Bäuerin gegeben worden Namcnö Madame Poitrine die wegen ihres gesunden Aussehens nnd ihres heitern Gemüthcs den Vorzug vor den übrigen erhalten hatte Wen Madame Poitrine das königliche Kind auf ihren Armen wiegte pflegte sie zu singen nnd der Prinz öffnete die Augen bei dem aroßen Namen Marlborough s Dieser Name die naiven Worte des Liedes die Sonderbarkeit der Wie derholungözcile des Refrains und die rührende Einfachheit der Melodie siel der Königin auf sie behielt Lied und Melodie im Gedächtnisse Nach ihr sang nun Alles und selbst der König verschmähte es nickt zu trillern KlurldorouFk s rn vg l en uerre Marlborough wurde gesungen von den Gemächern im hohen Versailles bis herab i den Küchen und Ställen das Liedchen machte Furore bei Hose und als es bei den Parisern Aufnahme gefunden hatte wanderte es von Stadt zu Stadt von Provinz zu Provinz selbst nach England wo es bald eben so volksthümlich wurde als in Frankreich Em französischer Reisender der in London nach Marlborough Strcet sich führen lassen wollte und sich des Namens derselben nicht erinnerte trällerte dem Kutscher die Melodie und dieser wußte sogleich woran er war Zu Paris ließ Beaumarchais in seiner Hochzeit des Figaro den Cherubin die Melodie des Marlborough singen wobei er den alten Refrain Hlirouluu lon lo mirvniaine durch den schmachtenden VerS ersetzte lZ ik wo cneur nue nw cour s rle veine Goethe der um jene Zeit in Frankreich reisete wurde ganz betäubt von dem allvmeinen MirontonS Concerte und warf einen Haß auf Marlborough den Unschuld gen Anlaß dieser Gesang cpidemie Marlborough gab seinen Namen den Moden den Stoffen dem Kopfpuße den Wagen den Ragouts s w Ter Inhalt des Liebchens wurde auf Balten auf Fächer auf Schirme gemalt auf Tapeten und Meublcn gestickt i Metall und Edel steine gravirt erschien unter alle Forme und auf alle Arten Diese Malbor ough Wuth dauerte mehrere Jahre und es bedurfte nichts Geringeres als den Fall der Bastillc um die Wirkung eines Liedes zu verdrängen Gegenwärtig fern von Marlborough und dem Volksgesangc aufih welche beide sür Frankreich historisch geworden sind war unser Forscher nach dem Ursprünge dieser cbcu so kriegerischen als schwcrnnithigr Melodie gerichtet welche Napoleon ungeachtet seiner Abucigung egen Musik jederzeit laut anstimmte wenn er zu Pierre stieg um i S Feld zu ziehen und w r sind nicht ab ki ci t mit Cbatcaubriand zu glaulx daß es dieselbe sevn möge mit jener welche Gott sricd v Bouillon’s Kreuzfahrer unter den Mauer von Jerusalem sangen um sich zur Befreiung der heiligen Stadt und dcö Grabes Christi zu ermuntern Noch jetzt singen sie die Araber und eö heißt daß ihre Vorfahrcr sie zurZeit der Schlacht von Massouie lernten wo die Waffenbrüder des Sire von Joinville sie zu dem Klirren ihrer Schilder sangen und zu dem vvlksthümlichc Schlachtcnruf lcm Me Snml Denis MDC

Jahrbücher des Deutschen Nationalvereins für Musik und ihre Wissenschaft, Band 4
von Deutscher National-Verein für Musik und ihre Wissenschaft







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