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Mädchen mit dem blauen Auge
Komm mit mir
Laß mich Himmelswonne schauen
Folge mir
Draussen in dem stillen Tale
Bei dem blassen Mondesstrahle
Wandeln wir

Wandeln hin zur frischen Quelle
Die da rauscht
Wo auf jeder Silberwelle
Armor lauscht
Dort will ich dich mit Entzücken
An den heissen Busen drücken
Unbelauscht

Ich küss dich du küsst mich wieder
Satt geküsst
Setzen an die Quell uns nieder
Die da fliesst
An der schönsten Marmorgrotte
Die dem kleinen Liebesgotte
Himmel ist

Schönes Mädchen also blühen
Lilien auf
Und an deinen Wangen blühen
Rosen auf
Hier auf diesen sanften Hügeln
Tänzelt Amor mit den Flügeln
Ab und auf

Meisterstück von Scböpferhänden
Der Natur
Wohlgebaut und schlank von Lenden
Lächle nur
Wie ein junges Schilf am Moose
Kamst du aus der Mutter Schoße
Zart hervor

Lass dich an mein Herze drücken
Lasse dich
Herzen küssen mit Entzücken
Küsse mich
Holdes Mädchen meine Triebe
Lohne du mit Gegenliebe
Jungfräulich

Mädchen hier vor deinen Füssen
Kniet dein Freund
Und läss´st du ihn Küss genießen
Wie es scheint
Wird er täglich sich bestreben
Bloß allein für dich zu leben
Treu vereint

Text: Verfasser vermutlich Karl Reinhard – in: Bacchus , Mars und Armorn oder den Schutzgöttern lustiger Brüder gewidmet , zweite vermehrte Auflage , Zürich 1809

Melodie: Othmar Meisinger , Volkslieder aus dem badischen Oberlande , Heidelberg 1913, Nr. 82 C; Text: Vier schöne Gesellschaftslieder Nr. l. Bayerische Staatsbibliothek München. P. o. germ. 852q, Bd. 2, Nr. 31 (19. Jh.). Der Text ist Ende des 18. Jhs. entstanden, als Verfasser wird Karl Reinhard vermutet. Vor allem im 19. Jh. ist das Lied ungeheuer populär gewesen, aber viele Sammler und Herausgeber haben den Text bei der Wiedergabe verkürzt oder „verharmlost“ ( mit diesen Anmerkungen , Version unten in Erotische Lieder aus 500 Jahren , 1979)

Mädchen mit dem blauen Auge, komm mit mir
daß ich Liebeswonne sauge, folge mir.
Draußen in dem stillen Tale
bei des blassen Mondes Strahle
wandeln wir

Wandeln wir zur Silberquelle, die da rauscht
wo auf jeder kleinen Welle Amor lauscht
Da will ich dich mit Entzücken
an mein pochend Herze drücken
unbelauscht

Ich küß dich, du küßt mich wieder, stets geküßt
sinken wir zur Quelle nieder, die da fließt
Reiß den Vorhang von der Grotte
so dem kleinen Liebesgotte
heilig ist

Ha! dein Busen, o da blühen Lilien auf
Und zwei Rosenknösp ´gen glühen, oben drauf
Zwischen diesen Rosenhügeln
gaukelt Amor mit den Flügeln
oben drauf

Meisterstück von Schöpfers Händen, der Natur
Mädchen, du hast schöne Lenden, zeig sie nur
Wie das junge Schilf am Moose
sproßt das Haar aus deinem Schoße
lächle nur

Laß in deinen Schoß mich sinken, lasse mich
aus der Wollust Schale trinken, lege dich
Rot wie eine Meerkoralle
ist der Mund der Opferschale
jungfräulich

Mädchen, zwischen deinen Füßen mach mir Raum
ganz, ganz will ich dich genießen, süßer Traum
Siehe wie dein Haar jetzt glänzet
so der Liebesgott umgrenzet
Silbertraum

Nun das Opfer unsrer Liebe ist vollbracht
Mädchen, du hast süße Triebe, Zauberkraft
Engel sollen dich begleiten
dir ein sanftes Bett bereiten
gute Nacht

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