Lieder aus Konzentrationslagern 1933-1945

CD- und Buechertipps | 2006
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Preis der deutschen Schallplattenkritik für CD mit Lagerliedern –
Bereits die vierte Auszeichnung für die Gruppe Grenzgänger

Den Preis der Deutschen Schallplattenkritik in der Sparte Lieder erhält in diesem Quartal die 3er CD-Box „O bittere Zeit – Lagerlieder 1933-45“, die das Dokumentations- und Informationszentrums (DIZ) Emslandlager in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Rundfunkarchiv und der Akademie der Künste, Berlin, veröffentlicht hat. Die sorgfältig aufbereitete, einzigartige Sammlung enthält 81 Aufnahmen, die eindrucksvoll dokumentieren, was die Menschen in Situationen der Erniedrigung, des Eingesperrt und Ausgeliefertseins, in Verhältnissen des Terrors und Todes geschrieben und gesungen haben. Alle Lieder sind in den Gefängnissen, Zuchthäusern und Ghettos ebenso wie in den Konzentrations-, Strafgefangenen- und Vernichtungslagern des nationalsozialistischen Regimes gesungen worden.

Seltene Archivaufnahmen und berührende Neueinspielungen

Auf den drei CDs ist u.a. die Gruppe Grenzgänger zu hören, die für Ihren unkonventionellen Umgang mit dem deutschen Liedgut zuvor bereits dreimal mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet worden ist. Weitere Künstler, die extra für diese Produktion neue Versionen der alten Lieder eingespielt haben, sind Bente Kahan, Daniel Kempin, die Künstlergruppe arbeit (Äugst, Daemgen, Korn), das Ensemble DRAj und der ErnstBuschChor Berlin. Hinzu kommen die Stimmen der überlebenden Verfolgten mit bislang unveröffentlichten Archiv- und anderen seltenen Aufnahmen. Darunter befindet sich auch Material des 1954 in der DDR eingerichteten Arbeiterliedarchivs, das unter der Leitung von Inge Lammel 1961 und 1962 ehemalige kommunistische Häftlinge des Konzentrationslagers Sachsenhausen und der Emslandlager eingeladen hatte, um über ihre Erinnerungen an Lieder und Gesänge im KZ zu reden und zu singen. Vertreten ist auch der 1982 in Krakau verstorbene Lagerliedforscher und Lagersänger Aleksander Kulisiewicz. Unter seinen alten Tonbändern und Platten fand sich, in einer veränderten, „Hymn“ betitelten Version, auch das wohl bekannteste aller Lagerlieder „Die Moorsoldaten“.

Der Schwerpunkt der Liedauswahl liegt auf Liedern, die in den Lagern entstanden sind, hinzu kommen Umdichtungen populärer Liedern aus der Zeit vor der Haft. Beispiele dafür sind Brecht / Eislers „Einheitsfrontlied“ und das Volkslied „Das Wandern ist des Müllers Lust“. Alfred Schrappel schrieb dazu 1933 oder 1934 im KZ Colditz den Text „Der Posten“. Die Interpretation der Grenzgänger ist ein gutes Beispiel dafür, wie die an dem Projekt beteiligten Künstlerinnen und Künstler an die Neuproduktionen herangegangen sind.

Musikalische Grenzgänge

Da mischt sich „Das Wandern ist des Müllers Lust“ mit „Marmor, Stein und Eisen bricht“, was bei einem Lagerlied ja auch durchaus passend erscheint. Beeidruckend ist die Aufnahme von Noi van Wesel und Max Kannewasser, die unter dem Namen Johnny und Jones in den 1930er Jahren zu den Lieblingen der holländischen Jazzszene gehört hatten. Sie waren zunächst Insassen des „Judendurchgangslagers“ Westerbork in den Niederlanden und nahmen 1944 bei einem Lageraußeneinsatz in Amsterdam eine Swingnummer auf: die „Westerbork Serenade“. Wenige Wochen danach wurden sie nach Theresienstadt deportiert und kamen über Auschwitz schließlich nach Bergen-Belsen, wo sie die Befreiung des Lagers nicht erlebten. Die Einzigartigkeit dieser Aufnahme besteht für Fietje Ausländer, der das Lagerliedprojekt gemeinsam mit Susanne Brandt und Guido Fackler konzipiert und im Verlauf von zwei Jahren realisiert hat., in der „Verbindung von real alter Produktionstechnik, dem Wissen um ihre Entstehungsumstände und der Leichtigkeit des Liedvortrags“, die eine „seltsam bedrückende Nähe“ erzeugen.

Bereicherung des Schulunterrichts

Die CD-Edition „O bittere Zeit“, ist keine leichte Kost. Man kann Fietje Ausländer aber nur zustimmen, wenn er zu der Feststellung kommt, wie sehr doch „Lebensbejahung und Lebensfreude, wie Musik sie nun mal entfalten kann, und Lebenszerstörung“ in Liedern zusammenfallen können: Ein einzigartiges Dokument, daß zur Bereicherung des Schulunterrichts dringend empfohlen wird.

Das Album ist mittlerweile leider vergriffen, die Grenzgänger haben aber ein eigenes Album mit Liedern aus dem Widerstand und den Gefängnissen der NS-Diktatur veröffentlicht: Und weil der Mensch ein Mensch ist

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