Krieg und Kunst in der Schule (1912)

uncategorized | 2009
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Erinnerungen eines Schülers zu Godesberg

Anfangs waren die Wände der schönen Aula im neuen Schulhause weiß. Im Jahre 1904 sollten sie einen herrlichen Schmuck bekommen und durch die Meisterhand des Düsseldorfer Malers Theodor Rocholl, der damals die linke, drei Jahre später die rechte je 10 m breite Wandfläche mit zwei wunderbaren Gemälden aus der Geschichte unseres Volkes zierte. Links: Die Kindheit des deutschen Volks, als die Deutschen in einzelnen Stämmen noch durch den deutschen Urwald schweiften, rechts: Die Deutschen auf Frankreichs Schlachtfeldern zu einem einheitlichen Volke unter Kaiser Wilhelm I. zusammengeschweißt.

Unsere Aula ist an und für sich schön, aber ich glaube mich keiner Uebertriebenheit schuldig zu machen, wenn ich meine Meinung dahin ausspreche, daß wir durch diese beiden Bilder die schönste Aula haben, die es in irgend einer deutschen Mittelschule gibt. … Deutschland hat reiten gelernt, und die Männer, die es in den Sattel gehoben haben, erscheinen im Mittelpunkt des zweiten Bildes: König Wilhelm I., Bismarck, Moltke, Roon und wie sie alle heißen, an deren Namen sich Deutschlands Dankbarkeit knüpft. Sie reiten über das Schlachtfeld, nehmen wir an, es sei das von Sedan, ein bestimmtes braucht es nicht zu sein.


Die Truppen waren wohl in Reih und Glied aufgestellt, um ihre Führer in stummer Paradestellung zu ehren, da aber überkommt sie die Begeisterung und ihr Dank für das, was sie durch diese Männer haben erleben und erringen dürfen, ist stärker als die herkömmliche Ordnung; sie stürzen sich begeistert auf den, dessen Name diese ganze große Zeit vertritt und sie jubeln ihm zu mit Zuruf, Schwenken der Mützen, der Fahnen, sie reichen ihm die Hand, ein Husar küßt das Pferd des Königs, ein dem echten Leben abgelauschter rührender Zug der begeisterten Liebe.


Der rotbärtige Offizier, dem der Konig die Hand drückt, trägt die Züge des rotbärtigen Stammeshäuptlings auf dem ersten Bild, wir können annehmen, daß es ein Nachkomme des kräftigen Ahnen da drüben ist, so wie auch Freytag in seinen „Ahnen“ an den Geschicken einer Familie das Werden und Wachsen des deutschen Volkes durch die Jahrhunderte verfolgt. Rechts im Vordergrund stehen gefangene Franzosen, auch Turkos und Zuaven und schauen erstaunt der Aeußerung dessen zu, was sie als Quelle der kriegerischen Erfolge ihrer Gegner erkennen müssen, der deutschen Mannestreue.

Quelle: 0. KÜHNE: Meine 25 Jahre im Evang. Paedagogium zu Godesberg , Godesberg 1912 , S. 46-48, Bild nach S. 46






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