Kein Wind im Segel die See liegt still (Der Goldrausch)

Lieder zur See | 2009
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Kein Wind im Segel, die See liegt still
Kein Fisch doch, der sich fangen will
So ziehen die Netze sie wieder herein
Und murren, schelten und fluchen drein
Da neben dem Kutter wird´s heller und licht
Wie weißliches Haar, wie ein Greisengesicht
Und ein triefendes Haupt taucht auf aus der Flut:
„Ei, drollige Menschlein, ich mein´s mit euch gut“

Ich gönn euch von meiner Herde ja viel
Doch heut ist mein Jüngster als Fisch beim Spiel
Den musst´ ich doch hüten, ich alter Neck
Drum jagt´ ich sie all miteinander weg
Doch schickt ihr den Jungen mir wieder nach Haus
So werft nur noch einmal das Fangzeug aus:
Der Schönste ist mein Söhnchen klein
Das übrige mag euer eigen sein!“


Hei, flogen die Netze wieder in See
Ho, kaum, dass ihr Lasten sie brachten zur Höh
Wie lebende Wellen, so fort und fort
Von köstlichen Fischen, so quoll´s über Bord
Und patscht und schnappt und zappelt und springt
Und bei den Fischern, da tollt´s und singt
Nun plötzlich blitzt es – seht: es rollt
Ein Fisch an Bord von lauterm Gold


Eine jede Schuppe ein Goldessstück
Wie Edelsteine, so funkelt´s im Blick
Die Kiemen sind aus rotem Rubin
Perlen die Flossen überziehn
Mit eitel Demanten besetzt, so ruht
Auf seinem Häuptlein ein Krönchen gut
Und fürnehm wispert´s vom Schnäuzlein her:
„Ich bin Prinz Neck, lasst mich ins Meer!“


Den Fang ins Meer? Sie rühren ihn an
Die Fischer, und tasten und stieren ihn an
„Lasst mich ins Meer!“ Sie hören nicht drauf
„Lasst mich ins Meer!“ Sie lachen nur auf
Sie wägen das goldene Prinzlein ab
Sie schwärzen´s und klauben ihm Münzlein ab
Wie wiegt das voll, wie gleißt das hold
Sie denken nichts weiter – sie denken nur Gold


Und seht: ein Goldschein überfliegt
Jetzt alles, was von Fisch da liegt
Und wandelt´s, dass es klirrt und rollt
Seht: all die Fische werden Gold
Sinkt das Schiff von blitzender Last?
„Schaufelt, was die Schaufel fasst!“
Wie lustiges Feuerwerk sprüht das umher
Dann rauscht über allem zusammen das Meer

Text: Ferdinand Avinarius (1856-1923 ) – (Titel: Der goldene Tod)






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