Ist der Herr Wirt und die Frau Wirtin zu Hause?

Brauchtum | | 2006
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Ist der Herr Wirt und die Frau Wirtin zu Hause?
Doch fürchtet nicht, wir kommen zu keinem Schmause.
wir wollen nur erzählen, nicht schmausen:
Die schwarze Katze will mausen;
doch nicht die schwarze nur allein,
die weiße will auch dabei sein. –

Wir waren auch verreist in fremder Welt,
doch da bekamen wir fast gar kein Geld.
Wir sind z. B. gewesen in Sachsen,
wo die jungen Mädchen auf den Bäumen wachsen.
Da sind sie auch sehr wohlfeil,
man kriegt ein halb Schock für ein Strohseil.
Wir sind auch gewesen in Ungern,
da litten wir Durst und mußten hungern.
Wir sahen daselbst auch viele gekappte Lerchen,
die fanden in die Wirtshäuser besser als in die Kirchen.
Durst und Hunger hat uns gezwungen,
daß wir sind nach Frankreich gekummen.
In Frankreich sollten sein die Bauern reich,
doch wir fanden ’s anders allsogleich:
Der erste mußte sterben,
der andre mußt‘ verderben,
der dritte mußt‘ entlaufen,
der vierte mußt‘ verkaufen,
der fünfte nahm den Bettelsack
und schlug den sechsten bis ins Grab.
So sind wir nun wieder in Eurer Mitten
und wollten den Herrn und die Frau schön bitten,
daß sie uns möchten eine Gabe mitteilen,
damit wir auch können den kranken Rauchfieß heilen.
Habt Dank, habt Dank für Eure Gaben,
die wir von Euch empfangen haben.
Wenn Ihr werd’t kommen auf unser Feld,
so werd’t Ihr finden eine Metze Geld.
Werdet Ihr ’s Euch nicht aufheben,
so dürft Ihr uns keine Schuld geben.


Paul Drechsler, Schlesische Pfingstbräuche, in: ZfV 10 (1900) S. 247 (Pfingstbitte beim Eintritt ins Haus, der Dankspruch am Schluß erfolgte nach Empfang der Geldgabe). nach: Schü´rz dich, Gretlein







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