Isch das nit es elengs Lebe (Der Bauernstand)

Schlaflieder | | 2006
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Isch das nit es elengs Lebe
Um e-n-arme Burestang?
Oeb me sott der Name träge
Lieber gieng me-n-us em Lang
´S häißt nur: Bur schaff! Bur´bring die Straf!
Bur zahl baar uns; sust chunnst um d´sHuus!
Bur schaff Zins, lueg wo de´a nimmst!

Das ist nume deh der Schatte
Was mir Angre lyde müend (Was wir andere leiden müssen)
‚S mocht äim fry sys Herz abgnappe
We me’s by-n ihm übernullt
Hätte me nume Hose-n-u Chittel
G’setzt es chämi us em Spittel!
War’s no guet u schirmti doch


Chunnt deh d’Sunne über d’Hübel
Mueß der Bur scho uf i d’s Feld;
Schwitzt deh dort so Jammers übel
Bis die brandschwarz Nacht ynfallt
Aes mocht schneye-n-oder regne
Daß me si darab mocht b’segne
‚S heißt: schwyg still! es schadt der nüt.


Das war deh no wohl z’verdäue
Hätt me sie doch über d’Zyt
Uf e-n-es guets z’Imbis z’freue;
Aber näi, au das isch nüt!
Chrut u Rebe, nüt darnebe
Fleisch kes Zopfli, Wy kes Tropfli
Stellt me-n-eus uf d’s ganz Jahr uus


We deh d’Wuche z’Gnade g’gange
Daß me mäynt me häigi Kueh;
Chome d’Schulde-n-allethalbe
üf eus armi Bure zue
Schone nit dem heilige Sunte
Heusche-n-eus de völlig Gunte;
Chrütz erbarm, isch das nit arm?


Will me denn au öppig‘ äinisch
Chly-n-es Blitzli lustig sy
Wyl es dickisch g’scheht e käinisch
Daß me chunnt zum guete Wy;
Will me chegle-n-oder schwinge
Mit eme Meitschi uhmi springe
Chunnt der Webel (Büttel) grad derzue.


Da gäit äin‘ deh ga verratsche
Vor der ganze-n-Ehrbarkeit
Do hilft deh fy gar kes Schwatze
Bis me-n-alls derhinger het
Schwinge, säit man, sygi Prügle
Webel, gang ne ga verrigle
Bis er d’Straf het baar erläit!


Meynt me denn, me syg nüt schuldi
Straft me-n-äin doch nusti no
Grad um achtzig, nünzig Guldi
Cha-me’s deh nit übercho
Häißt es: chumm, du muescht verschrybe,
oder i der Chefi blybe!
Setz dy Spycher y derfür!


Geld jitz cha me kes ufbringe
Hus me, spar me, wie me well
‚S isch bim Drack nit meh z’erschwinge
An ke Chrützer wott zur Stell
Denke! was chostet Mehl u-n Anke (Butter)
Chnuppe (kleine gesottene Rüben), Storze, -n-u das Pflanze;
0 wie suur ißt nit e Buur!


U die viele Bodezäise
Mache daß me nie nüt het
Mit de Zehnde thut me’s räise
Daß me lieber taune wett
Us der Hab cha-n-äin nüt lose
D’Metzger thüend äims au verbose;
Ne mueß gly vo Huse la!


G’seht me deh no äusri Bhusig
Mit der Hang erlängt me d’s Dach
‚S cha nit sy, daß äim nit grusi
All’s vo Strauh u Lätt (Lehm) ischs g’macht
We do Funke-n-yne chäme
War me hint’rem Hag dahäme;
Burestang steit bloß uf Sang!


Will do nüsti nit verzage
Lyde, schlucke mit Geduld
‚S häißt, daß au vom Gäißejage
Mänge z’höchste-n-Ehre chunnt
Dickisch sy die ärmste Hirte
Worde zue de größte Fürste;
All’s Eleng het au e-n-Eng


Mocht‘ i’s nume-n-au erlebe
Daß i no-n-e Herr abgäb!
Nit daß i sott g’ehret werde
Nume, daß i — z’trinke hätt
Mayn‘, i wetti gschickt regiere
Für ne Gaisle d’s Zepter führe;
Jo, das chäm mer ehe recht!     


,,Dieses Lied ist alt, und wird oft unter dem Namen „Der Bauernstand“ angeführt. Manches darinnen war verunstaltet, und mußte hergestellt werden. Einige Reime sind wohl niemals rein gewesen. — Allem Anschein nach, und wie mehrere Überreste der ursprünglichen Mundart es bezeichnen, mag das Lied in den ehemaligen Freyen-Aemtern entstanden seyn; denn die geschilderte Armuth, das Haus von Stroh und Lätt (Lehm) gemacht; unter den Speisen die Chnuppen, kleine gesottene Rüben; — und so noch Anderes passet auf keinen Theil der ehemaligen Schweiz genauer. Es mag auch in jenen etwas stiefmütterlich regierten Gemeinherrschaften der alten Schweiz am ehesten zu Klagliedern dieser Art gekommen seyn.“


Joh. Rud. Wysa, Texte zu der Sammlung von Schweizer-Kühreihen und Volksliedern. 4., viel vermehrte u. verbess. Ausgabe. Bern 1826, S. 124—27


nach Steinitz I S. 62ff

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