In Ungerland zu Grosswardein (ungarische Braut)

Balladen und Moritaten | | 2011
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In Ungerland zu Grosswardein
Was Neues da geschehen sei
Will ich jetzunder zeigen an
Merkt auf mit Fleiss ihr Frau und Mann.

Der Kommandant selbiger Stadt
Ein Töchterlein gezeuget hat
Theresia ihr Name sein
Gottesfürchtig, züchtig, keusch und rein


Sie war von ihrer Jugend an
Der Andacht allzeit zugethan,
Mit Beten und Singen allezeit
Lobt sie die heilige Dreifaltigkeit


Sobald sie kam zu Verstand,
Ihr keusches Herz vor Liebe brannt
Auf Jesum war ihr Tun gericht,
Zu seiner Braut sie sich verpflicht


Sie war so schôn von Leibsgestalt
Ihr´s Gleichen fände man nicht bald
Ein Kavalier, jung, reich und schön
Hat sich die Jungfrau auserseh´n


Er hielt an um das Töchterlein,
Der Vater gab den Willen drein
Die Mutter zu der Tochter spricht,
Mein Kind, doch diesen lasse nicht.


Die Tochter fing zu weinen an
Ich habe schon mein Bräutigam
Dem ich mich hab versprochen ganz
Zu tragen einen Jungfraukranz.


Der Vater sprach : — Es kann nicht sein
Mein Kind, das bilde dir nicht ein
Wo willst du bleiben mit der Zeit
Sehr alt wir sind schon alle beid.


Vor meinem End ich wissen wollt
Wo du auch einmal bleiben sollt
Darum, mein Kind, ich rate dir,
Nimm dir zur Ehe den Kavallier


Der Kavallier auch wieder kam
Man stellte gleich die Hochzeit an
Und ailes war dazu bereit
Die Braut war voiler Traurigkeit


Sie ging in ihren Garten früh
Und fiel darnieder auf die Knie
Rufte von ganzem Herzen an
Jesu, ihr liebster Brautigam


Da kam ein schöner Jüngling dar,
Sein Angesicht war hell und klar
Sein Kleid mit Gold ganz ùberstickt
Die Jungfrau erst von ihm erschrickt.


Er grüsst die Jungfrau wunderschön
Die Jungfrau tut da vor ihm steh´n
Schamhaftig schlug die Augen nieder
Empfange gar schön Jesu wieder


Die Jungfrau bald Jesum erkannt
Ihr keusches Herz vor Liebe brannt
Vergass vor Freud all Traurigkeit,
Gedacht nicht mehr an die Hochzeit


Der Jüngling an zu reden fing
Verehrt ihr einen goldnen Ring
Schau da mein Braut, zun Liebespfand
Trag diesen Ring an deiner Hand


Die Jungfrau schöne Rosen brach
Mein Brautigam zu Jesu sprach
Hiermit se du von mir verehrt
Ewig mein Herz sonst kein begehrt


Da gingen die verliebte Zwei
Und brachen Blumen mancherlei,
Jesu der sprach zu seiner Braut
Komm meinen Garten auch beschaut


Er nahm die Jungfrau an der Hand
Führt sie aus ihrem Vaterland
In seines Vaters Garten schön
Darinnen viele Blumen stehn


Die Jungfrau ging mit Freud und Lust,
Sehr köstlich Früchte sie gekost
Kein Mensch sich nicht einbilden kann,
Was da für edle Früchte stahn


Sie hörten Musik und Gesang
Die Zeit und Weil wurd ihr nicht lang
Die silberweissen Bächelein,
Die flossen da ganz klar und rein


DerJüngling sprach zu seiner Braut
Mein Garten habt ihr nun beschaut,
Ich will euch geben das Geleit
In euer Land, es ist nun Zeit


Die Jungfrau schied mit Traurigkeit,
Kam vor die Stadt in kurzer Zeit
Die Wäcbter hielten sie bald an
Sie spracht : Lasst mich zum Vater gahn


Wer ist der Vater man sie fragt
Der Kommandant, sie frei aussagt
Der eine Wächter aber spricht: 
Der Kommandant hat kein Kind nicht.


An ihrer Kleidung man erkannt
Dass sie auch sei von hohem Stand
Ein Wächter sie gefûhret hat
Bis vor die Herren dieser Stadt


Die Jungfrau sagt ung bleibt dabei
Der Kommandant ihr Vater sei
Und sei nun erst vor zweien Stund
Hinausgegangen da jetzund


Die Herren nahmen Wunder sehr
Man fragt, wo sie gewesen wär
Ihr Vaterland, Stamm und Geschlecht
Das müsste sie erklären recht


Man suchte auf die alte Schrift
Unter andern man dies antrifft
Dass sich die Braut verloren hat
Zu Grosswardein in dieser Stadt


Die Jahrzahl man gar bald nachschlägt
Hundert und zwanzig Jahr austrägt
Die Jungfrau war so schön und klar
Als wenn sie erst war fünfzehn Jahr


Dabei die Herren wohl erkannt
Dass dieses Werk von Gottes Hand
Man trägt der Jungfrau vor die Speis
Im Augenblick ward sie schneeweiss.


Nichts Leibliches ich mehr begehr
Sie sprach, holt mir den Priester her
Dass ich empfang‘ vor meinem End
Das höchste Gut im Sakrament


Sobald nun dieses ist geschehn
Viel Christen Menschen es gesehn,
Wird ihr ohn grosses Weh und Schmerz
Gebrochen ab ihr treues Herz


Darauf entschlief sie sanft und still
Merk auf, mein Christ, es ist dein Will
Dass du einmal willst selig sein
So lebe züchtig, keusch und rein


So wird dir Gott nach diesem Leben
Dereinstens auch den Himmel geben
Nach ausgestandnem Kreuz und Leid,
Die ewig Freud und Seligkeit

Text und Musik: anonym – “ Das Kommandantentöchterlein. In Ungerland zu Groß-Wardein“ ( Großwardein , Ungarn ) BVA 55/13 , Aufzeichnung Pamhagen 1930 . Vorsänger H. Kölndorfer , Aufzeichner Karl Horak . Text nach Sztachovics : Brautsprüche und Brautlieder . “ Die Eile der Zeit in Gott “ , auch QUANTS ALLEMANDS DE LA LORRAINE (1908 ? )


Louis Pinck schreibt in  Verklingende Weisen (1926): „Herr Serrier , Schuhmachermeister in Hambach , der nur die Volksschule seines Heimatdorfes besucht hatte, schrieb am 10. Februar 1911 in einem Brief:.. „So wurde hier , noch in den ersten Jahren, als ich herkam, ein Lied gesungen von einer Gottesbraut. Das Mädchen war von vornehmen Eltern und war an einen reichen Kavallier versprochen. Das Mädchen aber hatte sich dem himlischen Bräutigam vermählt. Am Abend vor der Hochzeit betete sie in ihrem Garten um Erleuchtung, da stand ein schöner Jüngling vor ihr und nahm sie bei der Hand und führte sie in seines Vaters Garten, wo so viele Blümelein stehn. Nachdem sie nun den Garten besehn, wurde die Braut vor Ihre Stadt geführt, wo sie nun Einlass begehrte. Der Wächter frug sie, wer sie sei, und sie sagte die Tochter des Stadtkommandant, dann heisst am Liede: “ Der andere Wächter aber spricht / der Kommandant hat kein Kind nicht / Man schlug nun auf die alte Schrift / 200 Jahre ea anbetrifft / dass sich die Braut verloren hat / zu Grosswardein in dieser Stadt“ Fragen Sie bei den älteren Mädchen hier an, ob sie dieses Lied nicht mehr kennen“  ( Gemeint ist das Lied „Die ungarische Braut“ im “ Lothringer Liederhort “ S. 71, Saargemünd , gedruckt bei Anton Weiss )  – in Verklingende Weisen – Volkslieder aus Lothringen , Band I und Band II (1926, 1928)

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