In seinem Fenster lag Herr Schmoll (Die Einquartierung)

Gedichte | 2012
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In seinem Fenster lag Herr Schmoll
Des Dörfleins Prediger
blies sinnend und gedankenvoll
Manch Wölkchen vor sich her
Und sah dabei in Seelenruh
Dem Durchmarsch fremder Truppen zu

Sein Pfeifchen war kaum ausgebrannt
Als eilig ein Soldat
Mit einem Zettel in der Hand
Zu ihm ins Zimmer trat
Mit seinem Barte schwarz und kraus
Sah er echt martialisch aus


Erstaunt rief Schmoll Quartier und Bett
Für einen Offizier ? 
Ja ja Herr Pfarr doch das Billet
Spricht, glaub ich, auch von mir
Der ich mit treu ergebnem Sinn
Hans Wackermann sein Reitknecht bin


Hier waltet wohl ein Irrtum ob
Versetzte Schmoll, ei ei
Stets blieb die Pfarre doch Gottlob
Von Einquartirung frei
Meld er mein Freund nur unverzagt
Dem Kommissär was ich gesagt


Der Ankömmling empfahl sich zwar
Doch bald in schnellem Schritt
Kam er zurück und brachte gar
Den Offizier noch mit
Der ernst ein blühend schöner Mann
Fast schüchtern dieses Wort begann


Daß ich Sie leider stören muß
Herr Pfarrer kränkt mich sehr
Allein der Kommissarius
Wies nochmals mich hieher
Ich bin gleichwohl ein stiller Gast
Und falle Niemand wohl zur Last


Indessen ging´s ein wenig bunt
Im Kopf des Pfarrers her
Des Fremden Auge Stirn und Mund
War´s blindes Ungefähr
Genug es schien ihm so bekannt
Daß er ein Weilchen sprachlos stand


Wie ist Ihr Name fragt er dann
Verwirrt und unruhvoll
Ich stotterte der Kriegesmann
Ich heiße Gustav Schmoll
Wie Gu — Gu — Gustav Schmoll wie wa — ?
So heiß ich Wohlehrwürden ja


Nein rief der Pfarrer dies Gesicht
Und dieser Stimme Ton
Du bist so leugn es länger nicht
Ja ja du bist mein Sohn
Nach Jahren drück ich heut mit Lust
Dich an die väterliche Brust 


Da sprach bewegt der Offizier
Wie klingt der Ton so süß
Verzeihung teurer Vater mir
Der heimlich Sie verließ
Und fern des Krieges blutgen Pfad
Drei lange Jahre schon betrat


Befestigt ward durch manchen Kuß
Der Vaterliebe Band
Und Hans der trippelnd mit dem Fuß
Noch an der Türe stand
Rief Wohlehrwürden auch ein Wort
Nicht wahr Sie lassen uns nicht fort 

Text: Heinrich Döring (1818)
in Als der Großvater die Großmutter nahm (1885)

1818






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