Ihr Schönen, höret an erwählet das Studieren

Studentenlieder - Burschenschaftslieder | 2012
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Ihr Schönen, höret an,
erwählet das Studieren
kommt her,
ich will euch führen zu der gelehrten Bahn,
ihr Schönen höret an:
Ihr Universitäten,
ihr werdet zwar erröten,
wann Doris disputiert
und Amor präsidiert,
wenn artge Professores,
charmante Auditores
verdunkeln euren Schein,
gebt euch geduldig drein

Geht zum Pro-Rector hin,
laßt euch examieren
und immatriculieren,
küßt ihn vor den gewinn,
geht zum Pro-Rector hin.
Ihr seid nun in den Orden
der Schönsten Musen worden,
wie wohl habt ihr getan,
steckt eure Degen an,
doch meidet alle Händel,
weil Adam dem Getändel
mit seinen Geistern feind
und er Pedall erscheint.


Kommt mit ans schwarze Brett,
da ihr die Lectiones,
und Disputationes,
fein angeschlagen seht,
kommt mit ans schwarze Brett.
Statt der genähten Tücher,
liebt nunmehr eure Bücher,
kauft den Catalogum,
geht ins Collegium,
von schönen Liebes-Lehren,
dort von Galanterie
und Amors Courtesie.


Teilt hübsch die Stunden ein,
um neun Uhr seid beflissen,
wie artge Kinder müssen
galant und häuslich sein,
teilt hübsch die Stunden ein.
Um zehn Uhr lernt mit Blicken
ein freies Herz bestricken,
um ein Uhr musiciert,
um zwei poetisiert,
um drei Uhr lernt in Briefen
ein wenig euch vertiefen,
denn höret von der Eh,
hernach so trinkt Coffee.


Continuiert drei Jahr,
dann könnt ihr promovieren,
und andere dozieren.
O schöne Musen-Schar,
continuiert drei Jahr.
Ich sterbe vor Vergnügen,
wenn ihr anstatt der Wiegen,
euch den Catheder wählt,
statt Kinder Bücher zählt.
Ich küßt euch Rock und Hände,
wenn man euch Doctor nennte,
drum Schönste fangt doch an,
kommt zur Gelehrten Bahn.

Text: Johann Sigismund Scholze (1736) alias Sperontes . Scholze wurde 1705 in Lobendau bei Liegnitz geboren und starb 1750 in Leipzig als armer Privatgelehrter.
Musik: ?
in Als der Großvater die Großmutter nahm (1885)
„Das Lied steht zuerst in : Singende Muse an der Pleiße ( Leipzig 1736). Die Singende Muse mit ihren Fortsetzungen war das beliebteste Hausgesangbuch des 18. Jahrhunderts und erlebte viele Auflagen [..] „Ihr Schönet höret an“ scheint von der Zensur angefochten worden zu sein, weil sich Frau Gottsched und andere gelehrte Damen dadurch getroffen fühlten, wurde aber vielleicht gerade deshalb sehr beliebt und hielt sich lange, obgleich es von der zweiten Auflage an ausgemerzt war. Noch 1766 schreibt Uz an Größner : Es wird Ihnen kein geringes Vergnügen sein, wenn ihr Töchterchen an der Seite ihrer Mutter statt des elenden „Ihr Schönen höret an“ usw. ein witziges und unschuldiges Liedchen vorfindet. (Anmerkungen in Als der Großvater die Großmutter nahm , 1885, S. 556) 






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