Ihr lieben Leute höret zu (Das entweihte Nonnenkloster)

Balladen und Moritaten | 2008
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Ihr lieben Leute, höret zu
was sich hat zugetragen
in einem Kloster, als in Ruh
schon alle Nonnen lagen.

Die guten Dinger schnarchten sehr
und träumten, was im Wachen
bei keuschen Nonnen Sünde wär
entzückend schöne Sachen

Da pochte eine ganze Schar
Husaren vor der Pforte
und fluchten arg, denn kein Husar
flucht höflich süße Worte


Man hätte, wär der Lärm gleich nah
den Lärm doch nicht gehöret
wenn nicht zum Glück die Domina
das Nachtgeschirr geleeret


Man sah, in einer Hand das Licht
den Nachttopf in der andern
Ihr jungfräulich verschrumpft´ Gesicht
durch alle Zellen wandern


„Ach“, schrie sie, „Kinder! Räuber sind
im Kloster angekommen
Steht auf und rettet euch geschwind
die Röcke mitgenommen!“


Daß es den heil´gen Franz erbarm´
Wer hilft den blöden Kindern?
Die stieß den Kopf, die schrammt den Arm
und die fiel auf den Hintern


Die hielt den Rock mit fester Hand
vergaß, sich zu bedecken
die nahm ein Beinkleid von der Wand
und fuhr hinein mit Schrecken


Ein junger Mönch, der Beichtiger
viel trostbedürft´ger Nonnen
der, wenn auch jede trostlos war
durch Zuspruch sie gewonnen


Der hatte Klärchen diese Nacht
viel Tröstung zugesprochen
und war voll Angst in Klärchens Tracht
jetzt unters Bett gekrochen


Indes erstieg man wie der Blitz
der Mauer hohe Zinnen
Husaren waren im Besitz
von keuschen Vestalinnen


Wie wenn ins stille Taubenhaus
der Marder diebisch schleichet
des Räubers Stirn, von Mordsucht kraus
die Täubchen schnell verscheuchet


Sie flüchten, sich mit Ungestüm
vom Räuber loszumachen
sie fliegen dumm und fliegen ihm
gerade in den Rachen


So zitterte der Nonnen Schar
beim Anblick rauher Bärte
und jede floh, und keine war
da frei, wohin sie kehrte


Die kroch in Keller, und mit Ach!
schlüpft Julchen in den Garten
„Ach! Schwestern! Keine schlüpfe nach
Seht, wie dort Räuber warten.“


Ein Nönnchen, das oft nächtelang
einsam im Bette stöhnte
und, immer vor Kasteien bang
sich gern nach Räubern sehnte


lief, als die Domina noch rief:
„Ach, heil´ger Franz, erbarme
dich Deines Schäfchens!“ – Ach, es lief
dem Hauptmann in die Arme


Er hielt die schöne Beute fest
trug sie in ihre Zelle
und nahm den kleinen Überrest
der Furcht ihr auf der Stelle


Sein Reitknecht, der im fünften Jahr
in Festung und im Lager
Kopie von seinem Hauptmann war
verbuhlt wie er und hager


Zog blind sein Los und griff und hielt
denn fast war´ sie entronnen
Ein hag´res Weib, das keucht und schielt
die Domina der Nonnen


Doch, seht die keusche Domina
ein Küchenmesser fassen
Sie sprach: „So starb Lucretia
so will ich auch erblassen!“


Den welken Leib durchstach die Hand
Sie blutete, voll Schmerzen
sank sie voll Ohnmacht in den Sand
und starb mit keuschem Herzen


Die Schwestern brachten sie zur Ruh´
und sangen Klagelieder
und sangen; „Domina, wie Du
ersticht sich keine wieder!“

Text: Johann Friedrich Löwen – (1727-1771)
Musik: unbekannt –


in: Leute höret die Geschichte (1976)







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