Ich will zu Land ausreiten (Hildebrandlied)

Balladen und Moritaten | | 2011
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Ich will zu Land ausreiten
Sprach Meister Hildebrand
Wer wird die Weg mir weisen
Gen Bern wohl in das Land?
Unkund sind sie geworden
Mir manchen lieben Tag
In zwey und dreyßig Jahren
Frau Utten ich nicht sah

Willt du zu Land ausreiten
Sprach Herzog Amelung
Was begegnet dir auf der Heiden?
Ein stolzer Degen jung
Was begegnet dir in der Marke?
Der Junge Hildebrandt
Ja rittest du selb zwölfe
Von ihm würdst angerannt

Und rennet er mich an
In seinem Übermut
Zerhau ich seinen grünen Schild
Das tut ihm nimmer gut
Zerhau ihm seine Bande
Mit einem Schirmenschlag
Daß er´s ein ganzes Jahr
Der Mutter klagen mag

Und das sollt du nicht tun!
Herr Dieterich wohl spricht
Denn dieser junge Hildebrand
Ist mir von Herzen lieb
Zu ihm sollst freundlich sprechen
Wohl durch den Willen mein
Daß er dich lasse reiten
So lieb ich ihm mag seyn

Da er zum Rosengarten reit
Wohl in der Berner Mark
Er kam in viel Arbeit
Von einem Helden stark
Von einem Helden jung
Ward er da angerannt
Nun sage mir, viel Alter
Was suchst in Vaters Land?

Du führst den Harnisch eben
Wie eines Königs Kind
Du machst mich jungen Helden
Mit sehnden Augen blind
Du sollst daheime bleiben
Beym guten Hausgemach
Bey einer heißen Glute
Der Alte lacht und sprach

Sollt ich daheime bleiben
Bey gutem Hausgemach?
Ich bin in allen Tagen
Zu reisen aufgesetzt
Zu reisen und zu fechten
Bis auf mein Heimefahrt
Das sag ich dir, viel Junger
Drauf grauet mir der Bart

Dein Bart will ich ausraufen
Das sag ich, alter Mann
Daß dir dein rosenfarbnes Blut
Die Wangen überläuft
Dein Harnisch und dein grünes Schild
Mußt du mir hierauf geben
Dazu auch mein Gefangner seyn
Willt du behalten Leben

Mein Harnisch und mein grünes Schild
Mich haben oft ernährt
Ich traue Christ vom Himmel wohl
Ich will mich deiner wehren
Sie ließen von den Worten,
Und zogen scharfe Schwert
Was diese zwey begehrten
Des wurden sie gewährt

Ich weiß nicht, wie der Junge
Dem Alten gab ein´n Schlag
Deß sich der alte Hildebrandt
Von Herzen sehr erschrack
Sprang hinter sich zurücke
Wohl etlich Klafter weit
Nun sag du mir, viel Junger
Den Streich lehrt dich ein Weib!

Sollt ich von Weibern lernen
Das wäre mir ja Schand
Ich hab viel Ritter, Grafen
In meines Vaters Land
Auch sind viel Ritter, Grafen
An meines Vaters Hof
Was ich nicht lernet hab
Das lern ich heute noch

Er nahm ihn in der Mitte,
Da er am schwächsten war,
Und schwang ihn dann zurücke,
Wohl in das grüne Gras.
Nun sage mir, viel Junger,
Dein Beichtvater will ich seyn,
Bist du ein junger Wolfinger,
Von mir sollt du genesen.

Wer sich an alte Kessel reibt
Empfahet gerne Rahm
Also geschiehet dir Jungen
Von mir altem Mann
Dein Geist mußt du aufgeben
Auf dieser Heiden grün
Das sag ich dir gar eben
Du junger Helde kühn.

Du sagst mir viel von Wölfen
Die laufen in das Holz
Ich bin ein edler Degen
Aus deutschem Lande stolz
Mein Mutter heißt Frau Utte
Die edle Herzogin
Und Hildebrandt der Alte
Der liebste Vater mein

Heißt deine Mutter Utte
Die edle Herzogin
So bin ich Hildebrandt der Alte
Der liebste Vater dein
Aufschloß er seinen grünen Helm
Küßt ihm auf seinen Mund
Nun muß es Gott gelobet seyn
Wir sind noch beid gesund

Ach Vater, liebster Vater
Die Wund die ich geschlagen
Die wollt ich dreimal lieber
An meinem Haupte tragen
Nun schweig, mein lieber Sohn
Der Wunden wird wohl Rat
Nun muß es Gott gelobet seyn
Der uns zusammen bracht

Das währte nun von Neune
Bis zu der Vesperzeit
Allda der junge Hildebrandt
Zu Bernen einher reit
Was führt er auf dem Helme?
Von Gold ein Kreuzelein
Was führt er auf der Seiten?
Den liebsten Vater sein

Er führt ihn zu der Mutter Haus
Ihn oben an zu Tisch
Und bot ihm Essen und Trinken
Das däucht der Mutter fremd
Ach Sohne, liebster Sohne mein
Der Ehren ist zu viel
Du setzest den gefangnen Mann
Ja oben an den Tisch

Nun schweiget, liebste Mutter
Und höret was ich sage
Er hätt mich auf der Heiden,
Schier gar zu tod geschlagen
Nun hört mich, liebe Mutter!
Gefangen sollte seyn,
Herr Hildebrandt der Alte
Der liebste Vater mein?

Ach Mutter, liebste Mutter!
Ihm bietet Zucht und Ehr
Da hub sie an zu schenken
Und trugs ihm selber her
Er trank, und hatt im Munde
Von Gold ein Ringelein
Das fiel da in den Becher
Der lieben Frauen sein

Text und Musik: anonym – geht zurück auf das Hildebrandlied (Fragment) aus dem 9. Jahrhundert ( vor 820 ) . Diese Fassung seit dem 15. Jahrhundert ( Erfindung des Buchducks) auf fliegenden Blättern verbreitet
u.a. in: Des Knaben Wunderhorn I (1806) — niederdeutsche Fassung in Alte niederdeutsche Volkslieder (1924) —







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