Ich weiß mir ein Liedlein (Wein und Wasser)

Essen und Trinken | Trinklieder | | 1800
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Ich weiß mir ein Liedlein, hübsch und fein,
Wohl von dem Wasser, wohl von dem Wein
Der Wein kanns Wasser nit leiden,
Sie mußten halt allweil streiten.

Da sprach der Wein: Bin ich so fein,
Man führt mich in alle die Länder hinein,
Man führt mich ins Wirt sein Keller,
Und trinkt mich als Muskateller.

Da sprach das Wasser: Bin ich so fein,
Ich laufe in alle die Länder hinein,
Ich laufe dem Müller ums Hauße,
Und treibe das Rädlein mit Brauße.

Da sprach der Wein: Bin ich so fein,
Man schenkt mich in Gläser und Becherlein,
Und trinkt mich für süß und für sauer,
Der Herr als gleich, wie der Bauer.

Da sprach das Wasser: Bin ich so fein,
Man trägt mich in die Küche hinein,
Man braucht mich die ganze Wochen,
Zum Waschen, zum Backen, zum Kochen.

Da sprach der Wein: Bin ich so fein,
Man trägt mich in die Schlacht hinein,
Zu Königen und auch Fürsten,
Daß sie nicht mögen verdursten.

Da sprach das Wasser: Bin ich so fein,
Man braucht mich in den Badstüblein,
Darin manch schöne Jungfraue
Sich badet kühl und auch laue.

Da sprach der Wein: Bin ich so fein,
Bürgermeister und Rath insgemein
Den Hut vor mir abnehmen,
Im Rathskeller zu Bremen.

Da sprach das Wasser: Bin ich so fein,
Man gießt mich in die Flamm hinein,
Mit Spritz und Eimer man rennet,
Daß Schloß und Haus nicht verbrennet.

Da sprach der Wein: Bin ich so fein,
Man schenkt mich den Doktoren ein,
Wenns Lichtlein nit will leuchten,
Gehn sie bei mir zur Beichte.

Da sprach das Wasser: Bin ich so fein,
Zu Nürnberg auf dem Kunstbrünnlein,
Spring ich mit feinen Listen
Den Meerweiblein aus den Brüsten.

Da sprach der Wein: Bin ich so fein,
Ich spring aus Marmorbrünnelein,
Wenn sie den Kaiser krönen,
Zu Frankfurt wohl auf dem Römer.

Da sprach das Wasser: Bin ich so fein,
Es gehn die Schiffe groß und klein
Sonn, Mond auf meiner Straßen,
Die Erd thu ich umfassen.

Da sprach der Wein: Bin ich so fein,
Man trägt mich in die Kirch hinein,
Braucht mich zum heiligen Sakramente,
Dem Menschen vor seinem Ende.

Da sprach das Wasser: Bin ich so fein,
Man trägt mich in die Kirch hinein,
Braucht mich zur heiligen Taufen,
Darf mich ums Geld nicht kaufen.

Da sprach der Wein: Bin ich so fein,
Man pflanzt mich in die Gärten hinein,
Da laß ich mich hacken und hauen,
Von Männern und schönen Jungfrauen.

Da sprach das Wasser: Bin ich so fein,
Ich laufe dir über die Wurzel hinein,
Wär ich nicht an dich geronnen,
Du hättst nicht können kommen.

Da sprach der Wein: Und du hast Recht,
Du bist der Meister, ich bin der Knecht,
Das Recht will ich dir lassen,
Geh du nur deiner Straßen.

Das Wasser sprach noch: Hättst du mich nicht erkannt,
Du wärst sogleich an der Sonn verbrannt! –
Sie wollten noch länger da streiten, –
Da mischte der Gastwirt die beiden.

Text und Musik: anonym
u.a. in: Des Knaben Wunderhorn (1808) — Zupfgeigenhansl (1908) —

andere Version (Hier Melodie 2)  in: Verklingende Weisen – Volkslieder aus Lothringen (1926, “ Vorgesungen von Papa Gerné Melodie aufgenommen von Cl. Weber am 18. April 1918″)  –

Der Wein und das Wasser ( aus Lothringen ):

Der Wein und das Wasser
die tun miteinander streiten
Der Wein der kann das Wasser nit leiden
er wollt mit dem Wasser streiten, ja streiten
aus dem Lande wollt er es vertreiben

Das Wasser, das sprach: ich bin so fein
Ich falle vom Himmel das Tal hinein
Ich laufe dem Müller vors Hause, ja Hause
Sein Rädelein tu ich ihm brause, ja brause

Der Wein, der sprach: Und ich bin so fein
Man trägt mich in den Keller hinein
Man trägt mich vor Fürste und Herre, ja Herre
und ein jeder Mann trinket mich gere, ja gere

Das Wasser, das sprach; und ich bin so fein
Man traget mich in die Küche hinein
Man braucht mich die ganze Woche, Ja Woche
Zum Buche, zum Backe, zum Koche, ja Koche

Der Wein, der sprach; Und ich bin so fein
Man traget mich in die Kirche hinein
Man braucht mich zum Sakramente, ja mente
und ein jeder braucht mich vor seinem Ende

Das Wasser, das sprach: Und ich bin so fein
Man traget mich auch in die Kirche hinein
Man braucht mich fürs Kindlein zu taufe, ja taufe
ums Geld lass ich mich nit verkaufe

Der Wein, der sprach: und ich bin so fein
Man pflanzt mich auf hohe Berge
Wo kann man mich höher noch pflanze, ja pflanze?
Von Rosen trag ich schon ein Kranze

Das Wasser, das sprach: und ich bin so fein
Denn ich falle vom Himmel die Berge hinein
Und wär ich im Sommer nit komme, ja komme
An dem Rebestock wärst du verdorret

Da sprach der Wein: Du hast ja jetzt recht
Denn du bist der Meister und ich bin dein Knecht
Wärst du in dem Sommer nit komme, ja komme
In der Wurzel wär ich schon gestorbe




Die Noten zu "Ich weiß mir ein Liedlein (Wein und Wasser)":

438

Zweite Melodie zu "Ich weiß mir ein Liedlein (Wein und Wasser)":

438-2




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