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Ich hatt einen Kameraden: 1918. Das am meisten gesungene Soldatenlied dieses Krieges ist: „Der gute Kamerad – Gloria, Viktoria“. Die Meinungen darüber sind sehr verschieden. Prof. Nöthe hält den Text für nicht einwandfrei. „Aber weil es dem Soldaten gefalle, wollen wir es annehmen.“ In der „Kölnischen Volkszeitung“ bemerkt Dr. Karl Reisert, daß sich Uhland einen derartigen Mißbrauch seiner Dichtung energisch verbeten hätte. V. d. Heydt findet es bedauernstwert, daß der tiefe Eindruck, den das Lied vom „guten Kameraden“ stets auf das deutsche Volksgemüt ausgeübt hat, vollständig verwischt und sein herrlicher Inhalt in einen „rührseligen Unsinn“ verwandelt werden soll („Die Tonkunst“ IXX. Jahrgang Heft 15).

Hugo Löbmann stellt sich zu dem Lieblingslied unserer Soldaten freundlicher. Er bezeichnet es als ein echtes deutsches Volks- und Soldatenlied. Wilh. Schremmer mutet der Schluß von den Vöglein im Walde „rührend“ an-, „es ist alles innig und fein empfunden“ („Die Volksschule“, Jahrgang 12, Heft 4.). Über den Text will ich mir kein Urteil erlauben, obwohl ich mich nicht mit ihm befreunden kann. Für mich kommt die Melodie in erster Linie in Betracht. Die ist ohne Frage minderwertig und geschmacklos . Wenn sie eine Frucht unseres Volksgesanges sein soll, so steht der auf einer sehr niedrigen Stufe. Man vergleiche damit nur einmal die markigen und kräftigen Weisen der Landsknechte aus dem 16. Jahrhundert.

Es ist bedauerlich, daß in einem Volk, das uns einen Bach, Beethoven und Wagner geschenkt hat, ein Volksgesang von solcher Weichlichkeit und Süßlichkeit wie das „Gloria, Viktoria“ entstehen konnte. Wir kampfen mit allen Mitteln gegen die englisch-amerikanischen Volksweisen in unseren Gottesdiensten an, und dieses Lied, das mit einem Teil der geistlichen Weise „Wo findet die Seele die Heimat, die Ruh“  genau übereinstimmt, findet sogar Eingang in Liederbüchern!

Wir werden es nicht ausrotten können, wollen es auch den Soldaten lassen. Es sollte aber docn nicht der Versuch unternommen werden, darin eine Blüte unseres Volksgesanges zu finden. „Die Melodie ist formlos; die Zeichen eines edlen Volksliedes sucht man vergebens in ihm“, urteilt Richard Noatzsch. (Monatsschrift für Schulgesang, Jahrgang XI, Heft 2.) Wir wollen es als Soldatenlied dulden, aber nicht verteidigen. Unter keinen Umständen darf dieses Lied Aufnahme in gedruckten Liederbüchern, besonders in Schulliederbüchern finden…

Über Ich hatt einen Kameraden im ersten Weltkrieg
Walther Zahn: Krieg und Gesangunterricht , in: Die Volksschule , 14. Jg. 1918, H 3/4, S. 97f

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Die Noten zu "Ich hatt einen Kameraden (1918)":

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