Ich habe nun den Grund gefunden

Geistliche Lieder | | 1727
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Ich habe nun den Grund gefunden
Der meinen Anker ewig hält
Wo anders als in Jesu Wunden?
Da lag er vor der Zeit der Welt
Der Grund, der unbeweglich steht
Wenn Erd‘ und Himmel untergeht

Es ist das ewige Erbarmen
Das alles Denken übersteigt
Es sind die offnen Liebesarme
Des, der sich zu dem Sünder neigt
Dem allemal das Herze bricht
Wir kommen oder kommen nicht

Wir sollen nicht verloren werden
Gott will, uns soll geholfen sein
Deswegen kam der Sohn auf Erden
Und nahm hernach den Himmel ein
Deswegen klopft er für und für
So stark an unsre Herzenstür

O Abgrund, welcher alle Sünden
Durch Christi Tod verschlungen hat
Das heißt die Wunde recht verbinden
Da findet kein Verdammen statt
Weil Christi Blut bestänig schreit
Barmherzigkeit! Barmherzigkeit

Darein will ich mich gläubig senken
Dem will ich mich getrost vertraun
Und, wenn mich meine Sünden kränken
Nur bald nach Gottes Herzen schaun
Da findet sich zu aller Zeit
Unendliche Barmherzigkeit

Wird alles andre weg gerissen
Was Seel und Leib erquicken kann
Darf ich von keinem Troste wißen
Und scheine völlig ausgetan
Ist die Errettung noch so weit
Mir bleibet doch Barmherzigkeit

Beginnt das Irdische zu drücken
Ja häuft sich Kummer und Verdruß
Daß ich mich noch in vielen Stücken
Mit eitlen Dingen mühen muß
Darüber sich mein Geist zerstreut
So hoff‘ ich auf Barmherzigkeit

Muß ich an meinen besten Werken
Darinnen ich gewandelt bin
Viel Unvollkommenheit bemerken
So fällt wohl alles Rühmen hin
Doch ist auch dieser Trost bereit
Ich hoffe auf Barmherzigkeit

Es gehe mir nach dessen Willen
Bei dem so viel Erbarmen ist
Er wolle selbst mein Herze stillen
Damit es das nur nicht vergißt
So stehet es in Lieb‘ und Leid
In, durch und auf Barmherzigkeit

Bei diesem Grunde will ich bleiben
Solange mich die Erde trägt
Das will ich denken, tun und treiben
Solange sich ein Glied bewegt
So sing‘ ich einstens höchst erfreut
O Abgrund der Barmherzigkeit

Text: Johann A. Rothe , 1727
Musik: Melodie von „O daß ich tausend„, Johann B. König , 1738
in Kinderklänge (1921)







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