Hört ihr Christen mit Verlangen (Faust)

Balladen und Moritaten | | 2006
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Hört ihr Christen mit Verlangen
nun was Neues ohne Graus,
wie die eitle Welt thut prangen
mit Johann dem Doktor Faust

Zu Anhalt war er geboren,
Er studiert‘ mit allem Fleiß;
In der Hoffart aulerzogen
richtet sich nach alter Weis.


Vierzigtausend Geister er zitierte
mit Gewalt wohl aus der Höll
doch es war nicht einer drunter
der ihm recht könnt tauglich sein.


Nur Mephisto, dem Geschwinden
gab er seine Seele drein
denn sonst keiner in der Höllen
welcher diesem gleich könnt sein.


Dafür mußt er Geld ihm schaffen
Gold und Silber, was er nur wollt
er hat auch zu allen Sachen
viele Geister hergeholt.


Zu Straßburg schoß er nach der Scheiben
daß er haben könnt‘ sein Freud
tat oft nach dem Teufel schießen
daß er vielmals laut aufschreit.


Kegelschieben auf der Donau
war zu Regensburg sein Freud
Fisch zu fangen nach Verlangen
war seine Ergetzlichkeit.


Wie er an dem heilgen Karfreitag
nach Jerusalem kam auf die Straß
allwo Christus am heiligen Kreuzstamm
hinge ohne Unterlaß.


Mephistophelus geschwinde
mußte gleich ganz eilen fort
Und ihm bringen drei Ellen Leinwand
von einem gewissen Ort.


„Satan, du sollst mir jetzt abmalen
Christus an dem heiligen Kreuz
und dazu die fünf Wunden alle
gib nur acht, daß dir’s nicht leid


Daß du nicht fehlst an dem Titel,
an dem heiligen Namen sein!
Wirst du dieses recht abmalen,
sollst du mir nicht mehr dienstbar sein“


„Dieses kann ich nicht abmalen
bitt dich drum, o Doctor Faust,
Ich tat dir schon großen Gefallen.
Fordre nunmehr dies nicht auch.


Denn es ist ja ganz unmöglich
daß ich schreib Herrjesu Christ
weil ja in der ganzen Welt
nichts heiliger zu finden ist.“


In derselben Viertelstunde
kam ein Engel von Gott gesandt
der tat ja so fröhlich singen
mit einem englischen Lobgesang.


So lang der Engel dagewesen
wollt sich bekehren Docotor Faust
als er fort, tat er sich abkehren
sehet an den Höllengraus!


Der Teufel hatte ihn verblendet
malt ein Venusbild an die Stell:
Die bösen Geister kamen eilends
führten ihn mit in die Höll.


Die Sage vom Teufelspaki des Dr. Faust -die auch Goethe angeregt hat – liegt diesem Volkslied aus Unterfranken zugrunde. Entstehung unbekannt. Ähnliche Texte wurden auch in Köln und in der Steiermark gefunden.







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