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Wahrhaftige neue Zeitung von dem mächtigen Aufstand der Bauren im Lande ob der Enns


Höret in kurzer Summen
ich muß euch zeigen an
die ihr da steht herummen
ihr Frauen und auch Mann
Herr Gott, ich thu dirs klagen
den Jammer und große Noth
was sich hat zugetragen
neulich in kurzen Tagen
laß dichs erbarmen Gott

Im Ländlein ob der Enze fangt sich ein Unruh an
dann in derselben Gränze
auf achtzigtausend Mann
lauter Landvolk in Summen
welches, weil man sie zwingt
zu Bapstischen (papistischen) Irrthumen
häufig zusammen kummen
sich zu wehren beginnt.


Dann als an einem Orte
in Oesterreich dem Land
ein Mönch trieb solche Worte
auf der Kanzel zuhand
am Fest der Himmelfahrte
daß wenn sie sich nicht bald
bekehrten ohn länger warten
man solche Ketzerbarte
zwingen würde mit Gewalt.


Man werde Weib und Mannen
zum Theil ausstechen thun
die Augen und fortane
die Ohrn abschneiden lon
das Herz aus dem Leib reißen
und dann auch also bloß
ihnen um das Maul schmeißen
damit man möchte weisen
diese Ketzer so groß.


Darauf die Bauren balde
den Mönchen gschlagen todt
und sich alsdann mit Gwalte
zusamm haben gerott
häufen sich mehr je mehre
wöllen mit starker Hand
und Gottes Hülf sich wehren
nicht von der Lehr abkehren
so sie haben erkannt.


Als man nun solches hat bericht
nach Linz der schönen Stadt
höret was weiter geschicht
der Statthalter da hat
zu Haufen bracht geschwinde
fünfzehenhundert Mann
Burger, Soldaten, Gesinde
wie man es da mocht finden
und damit zu Feld kam.


Er vermeint leicht zu bannen
das Volk zum Krieg ungeschickt
mit seinem Volk fortane
den Bauren entgegenrückt
welche sich aber mächtig
tapfer gewehret han
schoßen auf sie gar heftig
daß der Statthalter prächtig
das Feld mußte verlan.
 
Tausend Mann sind todt funden
worden auf der Wahlstatt
der Statthalter verwundet
mit zweien Schüssen hart
ist auch schwerlich entronnen
denn zwei Pferd unter ihm
erschossen und umkommen
es hat ihm nicht gelungen
wie ers hatte im Sinn.

Dann er etlich Wägen
mit ihm geführet aus
welche beladen gewesen
mit Stricken überaus
vielen Ketten und Hacken
auch Henker mannigfalt
damit er wollte plagen
und martern vor Augen
die Bauren manchergstalt.

Aber Gott thut es wenden
stehet den Gerechten bei
gnädig ihnen Hülf sendet
macht sie dieser Pein frei
Darauf die Bauren forte
gezogen seyn als wild
nehmen ein alle Orte
wie ich euch dann zum Worte
deren kann sagen viel.


Denn sie haben eingenommen
Weiß die schöne Stadt
auch haben sie bekommen
Lintz, welche ist das Haupt
der Stadt diß Ländleins kleine
den Markt Beirbach verbrennt
das Kloster Sanct Jörg feine
darüber einer möcht weinen
auch andere angezündt.


All Päß diß Volk verwahret
verhauet alle Wäld
über die Donau schlaget
Ketten und auch aufhält
all Kriegsvolk, so hinunter
will ziehen wider sie
schießen die Schiff zu Grunde
ehe sie aussteigen, Wunder
sagt man von ihnen hie.


Alles was sie einnehmen
und mit ihn haltet nicht
gar bald solches wegbrennen
plündern große Stück
gar viel sie mit ihn führen
auf Wägen mancherlei
viel Herren sich zu ihn fügen
alles Volk sich zu schmieget
von vielen Landen frei.


Schwarz Fahnen thun‘ sie führen
das ist ihr Liberey
ein Todtenkopf darinnen
auch die Wort geschrieben seyn:
weils gilt die Seel und Gute
So gelts auch unser Blut
Gott geb uns Helden Muthe
das ist unser bestes Gute
halt uns Herr in deiner Hut.


O Kriegen, schrecklichs Kriegen
der Feind (Antichrist) hat dich erdacht
und dem Deutschland zufüget
in diesen Jammer bracht
große Fürsten und Herren
müssen drob gehen zu Grund
gleich wider ihr Begehren
wo sie davon nicht kehren
das sey ihn allen kund.


Vater aller Frommen
der Gerechtigkeit steh bei
laß uns nicht werden genommen
dein Wort und mach uns frei
die sich wider uns setzen
denselben wehr und steur
daß uns der Fried ergetze
hernach in dein Reich setze
all Christen fromm und treu.


Fliegendes Blatt von 1626 –
Musik: nach „Graf von Serin“


Zeitungslied, das nach Bänkelsängerart auf Straßen und Plätzen vorgetragen und dann als Druck verkauft wurde. Obgleich die »Zeitungslieder“ im allgemeinen eine Parteinahme vermeiden, verrät die Schlußstrophe 20 deutlich die protestantische Gesinnung des Verfassers. — Bei Soltau-Hildebrand Hinweise auf weitere Zeitungslieder über den Ennser Bauernkrieg. Ein Zeitungslied von 1626 siehe auch bei Hartmann , Histor. I Nr. 37 S. 175ff (nach Steinitz I , S. 35ff)



Zu den hier unten abgedruckten Strophen heißt es bei Soltau-Hildebrand: „Vielleicht sind diese Strophen (in der Druckversion als Strophen 1. – 4. angegeben) beim Druck des Liedes hinzugesetzt. „Höret in kurzen Summen“ scheint der natürliche Anfang, zumal sie sich nach gewohnter Art möglichst an die Anfangsstrophe des Vorbildes anlehnt.“ Das „Vorbild“ ist das Lied vom Grafen Zrinyi (Graf von Serin), nach dessen Ton dieses Lied gesungen wurde und dessen erste Strophe der Strophe „Höret in kurzen Summen“ entspricht. (s. Melodie und Str. l bei E.-B. II Nr. 297) (Anmerkungen nach Steinitz s.o. )


Was Paulus hat geschrieben
vor etlich hundert Jahr
das ist noch wahr geblieben
bleibt noch wahr immerdar
daß in den letzten Tagen
wann der Welt Ende sey da
viel Herzleid, Jammer, Klagen
viel Kriegsschrei, große Plagen
werden seyn fern und nah.


Wir dürfen nicht weit sehen
was in der Fern geschieht
für Augen thun uns stehen
viel traurige Geschicht
wie Land und Leut verheeret
wie alles verderbet wird
und solch Unheil sich mehret
viel Örter werden verstöret
viel armes Volk erwürgt.


Ich muß gleichsam jetzt singen
wider den Willen mein
kann es schwerlich verbringen
jedoch so muß es seyn
daß große Krieg gewesen
vor Jahren gleich sowohl
als jetzunder darneben
Beispiel kann ich euch geben
der ist die ganz Schrift voll.


Im alten Testamente
finden wir offenbar
von Krieg an manchem Ende
auch der Frommen fürwahr
mit allem Fleiß geschrieben
uns zu einem Trost viel
was sie haben getrieben
ist bis auf heute blieben
les da wer lesen will.







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