Heut trennt unser minniglich Sehnen (Festlied der Strassburger Studenten)

Weitere Volkslieder | | 2006
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Heut´ trennt unser minniglich Sehnen
kein deutscher, kein gallischer Rhein,
wir ziehen gleich Lohengrins Schwänen
maifröhlich in „Strazzebure“ ein.
Der Hochschulen jüngste Schwester
sei als bräutliches Ziel uns ersehn:
sie steht noch im ersten Semester
drum ist sie auch jung noch und schön!

Wo Gottfried und Tristan gesungen
wo Erwin sein Münster erbaut,
wo Gutenbergs Kunst sich erschwungen
da ist uns der Boden vertraut.
Was sonst noch zu Argentoratum
einst Römer und andre gemacht,
dem sei als entschwundenem Fatum
ein sühnend Glas Lethe gebracht!


„Es könnt‘ ja nicht immer so bleiben
hier unter dem wechselnden Mond“,
so würde Schöpflinus jetzt schreiben
der als Jubelgreis einst hier gewohnt;
doch wenn unter pflegenden Händen
die Wissenschaft stolz erst floriert,
so wird durch die deutschen Studenten
Alsatia „neu illustriert“


Was schaust du noch trauernd nach Westen
elsässischer Landsmann und Freund?
Du zählst ja schon heut zu den Besten
die unsre Matrikel vereint.
Bedenk, was die Reben all‘ wollen
von Wolxheim hinauf bis nach Thann:
der Wein reift fürwahr nicht zum Schmollen
der reift zum Schmollieren heran!


Wir gründen ein kerngesund Wesen
und scheiden erst, wenn uns als Trost
das sämtliche Moos der Vogesen
die eigenen Häupter bemoost.
Stosst an drum: Neu-Strassburg soll leben
soll wachsen und kraftvoll gedeihn
als Strasse für geistfrisches Streben
als Burg der Weisheit am Rhein!


Text: Joseph Viktor von Scheffel
Musik: Jakob Klassert –
“ Allgemeines Deutsches Kommersbuch

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