Herr Hinrich und sine Bröder alle dre

Mundart, Niederdeutsch und Dialekte | | 2012
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Herr Hinrich und sine Bröder alle dree
vull grone
Se buweden ein Schepken, ein Schepken tor See
umb de adeligen Rosenblomen

Do dat Schepken dat Schepken rede wor
vull grone
Se setteden sik darin, se forden all darhen
umb de adelige Rosenblome.

Do se westwarts awerquemen
vull grone
Do stunt dar ein Goldschmedes Son vor der Dör
mit der adeligen Rosenblomen.

Weset nu willkamen, gi Herren alle dree
gar hübsch und gar schone
Wille gi nu Mede efte wille gi nu Wien?
sprak de adelige Rosenblome

Wi willen nenen Mede, wi willen nenen Wien
vull grone
Wi willen eines Goldschmedes Dochterlin han
de van adeligen Rosenblomen

Des Goldschmedes Dochter krige gi nicht
gar hübsch und gar schone:
Se is Lütke Loiken all togesecht
de adelige Rosenblome

Lütke Loike, Lütke Loike de krigt se nicht
vull grone
Da wille wi dree unse Helse umme wagen
umme de adeligen Rosenblome

Lütte Loike tog ut sin blankes Schwert
vull grone
He houw Her Hinrik sinen lütken Finger af
umb de adeligen Rosenblome

Her Hinrik tog ut sin blankes Schwert
gar hübsch und gar schone
He houwd Lütte Loiken sin Höved wedder af
umb de adeligen Rosenblomen

Ligge du aldar, ein Krusekrol
vull grone
Min Herte dat is hundert dusend Freuden vull
umb de adeligen Rosenblome

Lütke Loike sine Kinder de weenden al so sehr
vull grone
Morgen scholn wi unsen Vader begraven
umb de adeligen Rosenblomen

Dieses Lied ward in Dithmarschen beim Trümmekendanze gesungen. Bei den Dithmarschen gab es vor Alters zwei Arten des langen Tanzes , einen sogenannten Trümmekendanz , Trommeltanz , der mit vielem Treten und Handgebärden ausgerichtet ward und als zweite Art den Springeltanz bei dem viel gehüpft und gesprungen ward . Der Trümmekentanz war schon zu Neocorus Zeit fast außer Gebrauch gekommen , er ist offenbar die ältere Art , wenigstens von kriegerischem und höherem Charakter. Nur wenige Lieder wurden noch dabei gebraucht. Man darf vermuten, daß die historischen Lieder voll kriegerischen Geistes ursprünglich nur zum Trümmekentanz gesungen wurden.  — bei F. D. Dahlmann : Johann Adolfi ´s genannt Neocorus , Chronik des Landes Dithmarschen , Kiel 1827 Band II S.569 – [aus Hans Detleff fol. 26b , 27a] – Anton Biethen : Beschreibung und Geschichte des Landes Dithmarschen – Hamburg , 1733 4, S. 108 — P Mohr Zur Verfassung Dithmarsens , Altona 1820, S. 192 — K. Müllenhoff : Sagen Marchen und Lieder S. 43 — Uhland I 309 — Johannes Adolfi genannt Neocorus starb dem 80jährigen Alter nahe um 1630. Seine Chronik wurde fortgesetzt von Hans Detlefs zu Windbergen . Des Letztern Tätigkeit fällt in den Zeitraum von 1634-1650- Folglich gehören dieses Lied und das Folgende ihrer Aufzeichnung nach in die erste Hälfte des 17 Jahrhunderts.  ( in Deutscher Liederhort , 1856)

Anmerkungen zum Text: 1: Vull grone ist vielleicht korrumpiert aus vull grome, voll Grimm — Schepken, Schiffchen — tor, zur — 2: rede, bereit — was, war — 3: aver , über — 4: weset, seid — Mede, Met — este, oder — 5: neen, kein — 6: lütt, lüttj ndl. lütje, klein — al, schon — tooseggen, zusagen — 8: tooch, zog — 9: Höved, Hovet, Haupt — 10: Krusekrol, Krauskopf — 11: scholn, schöln, sollen

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