Heinrich schlief bei seiner Neuvermählten

Balladen und Moritaten | 2006
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Heinrich schlief bei seiner Neuvermählten,
Einer reichen Erbin von dem Rhein.
Schlangenbisse, die den Falschen quälten,
Ließen ihn nicht ruhig schlafen ein.

Zwölfe schlugs, da drang durch die Gardine
Eine bleiche, kalte Totenhand.
Was erblickt er? Seine Wilhelmine,
Die im Sterbekleide vor ihm stand.


Bebe nicht, sprach sie mit leiser Stimme,
Ehmals mein Geliebter, bebe nicht.
Ich erscheine nicht vor dir im Grimme,
Deiner neuen Liebe fluch ich nicht.


Unglück hat mein armes junges Leben
Bis zum Tode völlig abgekürzt.
Doch der Himmel hat mir Kraft gegeben,
Das ich nicht zur Hölle bin gestürzt.


Warum glaubt ich Schwache deinen Schwüren,
Baute fest auf Zärtlichkeit und Treu,
Mir nicht träumend, daß ein Herz zu rühren,-
Mehr als rühren – euch nur Spielwerk sei!


Weine nicht, denn eine Welt, wie diese,
Ist der Tränen, die du weinst, nicht wert.
Lebe froh und glücklich mit Elise,
Welche du zur Gattin hast begehrt.


Schätze hast du, Heinrich, ach bediene
Ihrer dich zu meiner Seele Rast,
Schaffe Ruhe deiner Wilhelmine,
Die du lebend ihr entzogen hast.


„Opfer willst du, Opfer!“ Heinrich tobte. –
„Heinrich, Heinrich“, haucht es durch die Nacht.
Da verschwand die einstige Verlobte.
Einen Selbstmord hat er dann vollbracht.


Gnade fand sie, doch ihr Ungetreuer
War verloren ohne Wiederkehr.
Als ein Scheusal, als ein Ungeheuer,
irrt sein Geist um Mitternacht umher. 

Text: Johann Friedrich August Katzner – 1779
Musik: nach einer alten Volksweise
in: Als der Großvater die Großmutter nahm (1885) — Aus dem Notizbuch von Oscar Schach ( Kgl. Sächs. Inf.Reg .Nr. 106 , 5.Comp. z.Z. Garnison Chemnitz , Gedient 1873 – 1876 , DVA A 109 160 ) – Wie´s klingt und singt (1936)

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