Heiligabendlied (Heut´ is der heil´ge Ohmd ihr Mäd)

Weihnachtslieder | | 2006
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Heut´ is der heil´ge Ohmd ihr Mäd
kummt rei, mer gießen Blei.
Lob, laf när glei zr Hannelies
die muß beizeiten rei
(Fritz löf geschwind zur Hanne Christ,
se soll bei Zeiten rei.)

Mer hahm d’n Lächter a’gebrannt;
satt nuf, ihr Mäd, die Pracht.
Do drühm bei euch, is a recht fei,
ihr hot ’ne Sau geschlacht.

Ich hob mer a e Lichtel kört,
ver zwee un zwanzig Pfäng‘.
Gi Hanne hui‘ ä Tüppel rei,
mei Lächter is ze eng.

Kahr, zindt ä Weihrauchkärzel a,
doß a wie Weihnacht riecht;
unn stell’s ner of des Scherbel dort,
dos unnern Ufen liegt.

Lott‘ dorten of der Hühnersteig
do liegt men‘ Lob sei Blei.
Mahd raffel fei nett sehr dort rüm,
s’ist werd der Krienerts scheu.

Denn’s Mannsvulk hat sei Frehd an wos,
sei’s a an wos ner will.
Mei Voter hot’s an Vugelstell’n,
der Kahr, der hot’s an Spiel.

Ich gieß fei erst, wann krieg‘ ich da?
Saht her en Hommerschmied!
De Karlin lacht, die denkt gewiß,
ich man ihr’n Richter Fried.

Mer ham a sächzähn Butterstoll’n,
su lang wie ’n Ufenbank.
Ihr Mäd, do werd‘ gefräss’n wär’n,
mer wär’n noch alle krank.

Mer ham a neunerlä gekucht,
a Worscht unn Sauerkraut.
Mei Mutter hot sich o geploocht,
die ale gute Haut.

Fritz brock de Semmelmillich ei,
nasch ader net derfu.
Ihr Ghunge warft kee Raspel nei
in’s heilig Ohm’nd Struh.

War gieht den über’n Schwammentupp?!
Nu Lotte ruh’ste nett!
Wart, wenn när weerd der Voter kumm‘,
do mußt dee gleich ze Bett.

Nä hurcht ner a mohl in Ufentupp,
dos Rumpeln und dos Geig’n.
Na wenn es när nett winseln tut,
denn s’ist bedett’s noch Leich’n.

Den heiling‘ Ohmd um Mitternacht,
do läft statt Wasser Wei.
Wenn ich mich ner nett färchten tat,
ich hult ’n Tupp voll rei.

Denn drühm an Nachbar’sch Wassertrug,
do stieht ä grußer Mäh.
Und war nett rächte Tohzen hat,
dän läßt er gor nett na.

Lob hui derweil ben Hanne Lieb
’n Voter ä Kännel Bier.
’noch, wenn de kümmst,
do singe mer: »Ich freue mich in Dir.«

Ihr Kinner, gieht in’s Bett nu nuff,
der Seeger zeigt seh u ens.
Ob mer ä Weihnacht wieder erie’m?
Wie Gutt will, su gescheh’s

nach: “ Schürz dich Gretlein

Dort heißt es in den Anmerkungen zu diesem Lied:
Als Beispiel eines landschaftstypischen Weihnachtsliedes wird hier das erzgebirgische »Heiligabendlied« wiedergegeben. Spieß nennt es ein »Gedicht von verw. Frau v. Elterlein in Schwarzenberg, geb. Benckert aus Annaberg«, doch dürfte es sich bei dieser Fassung eher um eine Niederschrift des Liedes durch diese Frau handeln, die von 1784 bis 1865 lebte. Wahrscheinlich ist das Lied im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts entstanden. Die älteste Niederschrift ohne Melodie stammt aus dem Jahre 1856, eine weitere, wohl nur etwas spätere Niederschrift mit Melodie aus einem 1820 begonnenen handgeschriebenen Scheibenberger Liederbuch (vermutlich vor 1844, s. Pollmer S. 71).
Zuerst gedruckt wurde es von Johann Traugott Lindner in seinen »Wanderungen durch die interessantesten Gegenden des sächsischen Obererzgebirges«, Annaberg 1844. Der Schwarzenberger Finanzbeamte Lindner bemerkt dazu, daß das Lied in Proletarierkreisen des Dorfes Pöhla entstanden sei (Weinhold S. 10; in Pöhla wohnte auch Frau v. Elterlein). Es ist seither in zahlreichen Fassungen und Singweisen überliefen worden. In einer jüngeren Fassung auch in Franken aufgezeichnet (DVA A 1777959).
Erste Strophe: John S. 198, Nr. 211 a (Annaberg 1900); die anderen Strophen:  Moritz Spieß, Aberglaube, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges, Dresden 1862, in: 19. Bericht über die Progymnasial- und Realschulanstalt zu Annaberg, S. 75 f. –







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