Heidelberg du Jugendbronnen

Heimatlieder | | 1899
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Heidelberg, du Jugendbronnen
Zauberin am Neckarstrand
Solchen Fleck, uns warm zu sonnen
Gab der Herrgott keinem Land!
Schlager schwirren, Gläser klingen
Alles atmet Frohnatur,
Selbst im Laub die Vöglein singen:
Gaudeamus igitur!
Selbst im Laub die Vöglein singen:
Gaudeamus igitur!

Wohl die alte Burg voll Narben
Trauert um vergangne Zeit,
Doch sie tut´s in lichten Farben
Fröhlich-feuchter Traurigkeit.
Schaut sie aufs so sie Bürsten
Wie mit sanfter Rührung hin,
Denkt sie ihrer alten Fürsten,
Die so groß und stark darin.
Denkt sie ihrer alten Fürsten,
Die so groß und stark darin.

Schaumend tosten hier die Becher,
Und Herrn Otto Heinrich galt’s,
Der berühmter noch als Zecher,
Denn als Graf der schönen Pfalz.
Nur ein Burgzwerg traf’s noch besser,
Der ging recte gleich zum Spund,
Und das größte aller Fässer
Schlürft‘ er aus bis auf den Grund!
Und das größte aller Fässer
Schlürft‘ er aus bis auf den Grund!

Seine Tat, so kühn gelungen,
lebt im Lied unsterblich fort,
Und der Sänger, der’s gesungen,
Ragt in Erz gegossen dort.
Schar um Schar zum Scheffelhaine
Wogt empor auf Waldespfad,
Und „Altheidelberg, du Feine“
Summt’s dort oben früh und spat!
Und „Altheidelberg, du Feine
Summt’s dort oben früh und spat!

Frohe Stadt, zum Unterpfande,
daß dein Glück dich nicht verläßt,
Grüßt uns hoch von Dachesrande
Ein verwegnes Storchennest!
Ei, wie han’s die lebensfrischen
Weiblein sich hier gut bestellt;
Geht der Storch im Neckar fischen,
Kommt was Lustiges zur Welt!
Geht der Storch im Neckar fischen,
Kommt was Lustiges zur Welt!

So gedeih bei Storch und Kater,
fröhliche Studentenschaft!
Brausend klingt dein Landesvater
Stets bei Wein und Gerstensaft!
Prosit deinem Sangesmeister,
Prosit deinem großen Zwerg,
Scheffels und Perkeo’s Geister
Walten über Heidelberg!
Scheffels und Perkeo’s Geister
Walten über Heidelberg!

Text: Albrecht Graf Wickenburg
Musik: Otto Lob – 1899

u.a. in Berg Frei (1919) — CC Liederbuch (1940) —

Albrecht Graf Wickenburg kam 1898 als Diplomat nach Heidelberg und schrieb während seines Aufenthalts den Text dieses Liedes, den er an das Heidelberger Tageblatt sandte, um „mit diesem ‚Lobgesang auf Heidelberg‘ den Heidelbergern durch die Tagespresse Dank abzustatten und die Stadt, die es auch ihm angetan, zu feiern“. Das Gedicht erschien in der Ausgabe vom 3. Januar 1899 und fand sofort allgemeinen Beifall. Mit der Vertonung wurde Otto Lob beauftragt.

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