Gut Ritter der reit durch das Ried (Ulinger)

Balladen und Moritaten | , | 1580
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Gut Ritter der reit durch das Ried
er sang ein schönes Tagelied
er sang von heller Stimme
daß in der Burg erklinget

Die Jungfrau an dem Laden lag
sie hört gut Ritter singen
„Ja wer ist der da singet ?
mit dem will ich von hinnen“

„O Jungfrau wöllt ihr mit mir gahn
ich will euch lernen was ich kann
ich will euch lernen singen
daß gegen der Burg tut klingen“

Die Jungfrau in ihr Schlafkammer trat
ihr gelbes Haar sie in Seiden band
sie kleidt sich in Silber und rothes Gold
gleich wie Eine die von hinnen wollt

Er schwang sein grünen Schild neben ihn
sein schöne Jungfrau hinter ihn
er eilet also balde
zu einem grünen Walde

Und da sie in den Wald ein kam
und da sie leider Niemand fand
dann nur ein weiße Tauben
auf einer Haselstauden

„Ja hör und hör du Friedburg ja
hör und hör du Jungfrau gut
der Ulinger hat elf Jungfrauen gehangen
die zwölft hat er gefangen“

„Ja hör so hör du Ulinger
ja hör so hör du trauter Herr
was sagt die weiße Tauben
aus jener Haselstauden ?“

„Ja jene Taube leugt mich an
sie sicht mich für ein Andern an
sie leugt in ihren rothen Schnabel
ach schöne Jungfrau reit fürbaß“

Er breit sein Mantel in das Gras
er bat sie daß sie zu ihm saß
er sprach sie sollt ihm lausen
sein gelbes Haar zerzausen

Er sach ihr unter die Augen da
Was weinet ihr schöne Jungfrau
weint ihr um euern traurigen Mann
ich hab euch nie kein Leids gethan

Ich wein nicht um mein traurigen Mann
ihr habt mir nie kein Leids getan
ich sich dort einher reiten
ein große Schaar mit Leuten

Ja willt du zu ihn reiten
oder willt du mit ihn streiten
oder willt du von der Liebe stahn
dein Schwert zu beiden Händen han

Ich will nicht zu ihn reiten
ich will nicht mit ihn streiten
ich will wol bei der Liebe stahn
mein Schwert zu beiden Händen han

Sie reit ein wenig baß hindan
und da sie leider Niemand fand
dann nur ein hohe Tannen daran
elf Jungfrauen hangen

Sie wand ihr Händ rauft aus ihr Haar
sie klagt Gott ihr Leid offenbar
ich bin so sehr in tiefem Tal
daß mich kein Mensch nit hören mag

So bitt ich dich mein Ulinger
so bitt ich dich mein trauter Herr
du wöllest mich lassen hangen
in Kleidern da ich in gange

Das bitt mich nit du Friedburg
das bitt mich nit du Jungfrau gut
dein schwarzer Rock und Scharlahmantel
staht meiner jungen Schwester wohl an

So bitt ich dich du Minger
so bitt ich dich du trauter Herr
du wöllest mir erlauben
ein Schrei zween oder dreie

Das solle dir erlaubet sein
du bist so fern in tiefem Thal
du bist so fern in tiefem Thal
daß dich kein Mensch nit hören mag

Den ersten Schrei und den sie thät
Hilf Jesu Marie Sohne
und kommst du nicht so balde
so bleib ich in diesem Walde

Den andern Schrei und den sie thät
Hilf Maria du reine Maid
und kommst du nicht so behende
mein Leben hat schier ein Ende

Den dritten Schrei und den sie thät
Hilf allerliebster Bruder mein
und kommst du nicht so drate
mein Leben würd mir zu spate

Ihr Bruder über den Hof einreit
und Einer zu dem Andern seit
Mich dunkt in allem meim Sinne
ich hör meiner Schwester Stimme

Er ließ seinen Falken fliegen
er ließ seine Winde stieben
er eilet also balde
zu einem finstern Walde

Was thust du hie mein Ulinger
was thust du hie mein trauter Herr
So stand ich hie und wind
ein Wied daran ich meinen Fohlen bind

Und stahst du hie und windst ein Wied
da du dein Fohlen an binden willt
so red ichs auf die Treue mein
du sollt mir selber der Fohlen sein

So bitt ich dich mein Friedburger
so bitt ich dich mein trauter Herr
du wollest mich lassen hangen
in Kleidern da ich jetz stande

Das bitt mich nicht du Ulinger
das bitt mich nicht du falscher Herr
dein schwarzer Rock und Scharlahmantel
staht meinem Küchenbuben wohl an

Er schwang sein grünen Schild
neben ihn sein schöne Schwester
hinter ihn er eilet also feste
da er seins Vaters Königreich weste

Text und Musik: anonym , diese Version der Ballade vom Ulinger  stammt von einem Fliegenden Blatt : „Ein hübsch Lied  vom dem Ulinger“ –  gedruckt zu Nürnberg durch Friderich Gutknecht , zwischen 1554 und 1580 –
Zu dem Lied gibt es vier Melodien , die erste Melodie aus Hessen-Darmstadt ( abgedruckt in Deutscher Liederhort , 1856) — die zweite Melodie aus Lothringen , um 1928 aufgezeichnet, die dritte Melodie aus Oberhessen , die vierte Melodie um 1812 aus der Gegend von Breslau .

Anmerkungen zum Text bei Ludwig Erk : (Deutscher Liederhort, 1856)
1.: Reit,  ritt — Tagelied :  Morgenlied auf das Scheiden zweier Geliebten beim Anbruch des Tages ( -> Tagelieder ) —  3. gegen — 5.:   ihn, sich — 9. : sicht,  sieht —  fürbaß,  mhd. fürbaz,  fürder, hinfort (baz, besser, comp. von wol) —  11: sach, sah —  16: ferr, mhd verre,  fern, weit —  17: gange, gehe —  18: In: Scharlah ist statt der Aspirata die Spirans gesetzt,  ähnlich wie in sah und sach oder wie im ahd und mhd joh und joch, noh und noch —  23:  drate, mhd drate, schnell, alsbald —  26: stand, stande, ich stehe — Wied mhd wit, s Reis, Zweig, besonders von zähem Holze zum Binden —  30. weste, mhd weste – wußte.

auch bei Erk Böhme , verkürzte und abgewandelte Versionen auch in: u.a. in  Scherers Jungbrunnen ,  Zupfgeigenhansl (1908) — Verklingende Weisen (1926) — Württembergische Volkslieder (1929)
siehe auch den Wikipedia-Artikel über Mädchenmörder im Volkslied




Zweite Melodie zu "Gut Ritter der reit durch das Ried (Ulinger)":

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