Gott du schütz unsere Hoheit hier

Freiheitslieder | 2010
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Gott, du schütz unsere Hoheit hier
Und auch das ganze Haus
Ich ward berufen nach Berlin
um neuen Sachen aus.
Kaum als ich dort den Rück verwandt
Da träumte mir es schon,
Als sei Krawall in meinem Land
Drauf wand ich mich gleich um;
Ich eilte nun jetzt schnell nach Haus
Auf Eisenbahn und Land
´s kam ein Staffet so schnell daher
Mit Botschaft in der Hand

Den ersten März, da fing es an
Zu Wiesbaden in der Stadt
Es hängt an vielen Häusern an
Geschrieben auf ein Blatt
Drauf sammelt sich das ganze Volk
In allen Gasthöf´n an:
Freiheit, Gleichheit bekannt gemacht
Von Vater Hergenhahn
Man ruft in allen Straßen aus:
Freiheit! Gleichheit! aus Mund.
Bei Gott, hier war´s noch nie geschehen
Wie groß war diese Stund


Den zweiten März, da klopft das Herz
ja schon in aller früh
im fremden Ländern spricht man schon
in Wiesbad ist Unruh
man predigt Freiheit, Gleichheit aus
mit geistesvollem Wahn
der erste war Herr Hergenhahn
der zweite Herr Hoffmann
Die neun Artikel teilt man aus
gedruckt auf einem Stand
man liest´s in allen Häusern vor
auch gleich im ganzen Land


Den dritenn März treibt man kein Scherz
es wächst fort immermehr
Im ganzen  Land bekannt gemacht
das viele Volk kam her
Dreiunddreißig Jahr in Friedenszeit
schliefen wir in stiller Ruh
es kommet nichts von ungefähr
der Höchste schickt es zu
Nun bitten wir und wünschen wir
Gotte stehe uns ja bei,
Weil alles hat sich umgekehrt
und soll jetzt werden neu


Den vierten März, da schwellt das Herz
mit Hebung voller Glut
das viele Volk kam anmarschiert
die Turner auf sie zu
Man schätzte schon zur Mittagsstund
bis dreißigtausend Mann
es wächst ja an ja jede Stund
kein Mensch sie zählen kann
Die Bürgergard´ hier aus der Stadt
sie faßten all Gewehr
zweitausend Stück war´n ausgeteilt
zur Stadtbedeckung hier


Das ganze Volk versammelt sich
am Churplatz nun jetzt an
Es wird ja jetzt gepredigt hier
vom Vater  Hergenhahn
„Ihr deutschen Brüder, höret an
und glaubet alle mir
was wir hier schon verlanget haben
ist uns genehmigt hier
Unsre Hoheit die Frau Herzogin
Prinz Nikolaus dabei
Minister Herr von Dungern hier 
haben´s genehmigt alle drei.“


Das ganze Volk erwidert sich
Das ist kein fester Stand
Wenn hier nicht selbst der Herzog spricht
Der Vater von dem Land
Herr Hergenhahn, der predigt fort
„Mein Wort ist hier kein Rauch
Glaubt mir fest, wenn der Herzog kommt
Genehmigt er es auch.“
Das ganze Volk, das sprach nun dort
Da ist nichts Festes dran.
Auf einmal heißt´s ,der Herzog kommt
Mit fremden Truppen an!


Prinz Nikolaus von sechzehn Jahr
Trat mitten in das Volk
Seine Mutter Prinzeß bei ihm war.
beglückt mit Himmelswolk
Er sprach ja zu dem ganzen Volk
„Das macht mir noch nicht schwer.
Glaubt ihr denn wohl, mein Bruder kam
Mit fremden Truppen her?
Ach nein, darzu ist er zu gut
So was nimmt er nicht an
Man müßt ihn darzu verleitet´ haben
War er nicht schuld daran.“


Prinz Nikolaus sprach nochmals hier
Das will ich gern einsehen
Wenn dies nun auch ja wahr sollt sein
Bleib ich hier bei euch stehen
Man pflanzte die Kanonen aus
Mit Säbel und Gewehr
Wenn dies auch sollt mein Bruder sein
Läßt er nicht schießen her.“
Drauf rufet nun das ganze Volk:
„Prinz Nikolaus lebe hoch!“
Er schwenkte nun drauf seinen Hut
Mit Dank ins Schloß er zog


O Feuerstrahl, du trübe Luft
Bald machst du uns so schwer
Man sieht die Fahnen in der Luft
Sie wehen hin und her
Man greift mich an meinem Posten an
Man reißet mich davon
Weil man fing neue Sachen an
War ich nicht schuld daran
War meine Farbe nicht so schön
Wie eine Goldfasan?


Das ganze Volk, das schwellt sich an
Bei Schloß mit großem Ton;
Auf einmal kam ein großer Herr
Heraus auf den Balkon.
Er sprach ja zu dem ganzen Volk;
„Meinen Namen geb ich hin
Ich bin ja der Graf von Walderdorf
Wo ich verpflichtet bin
Nassauer, Brüder, höret an
Glaubt mir auf diesem Stand
Was ihr ja schon verlanget habt
Bleibt fest im ganzen Land.“


Auf einmal schloß die Türe auf
Gott winkt die rechte Hand
Er sprach ja dort am Himmelslauf
Ich schütz das ganze Land
Die blut´ge traurige trübe Stund
Sie ist bei uns so nah
Ach Gott, halt deine Hand auf uns
Der Engel schwenkt die Fahn!
Die Sonne gab einen Freudenblick
Die Farbe zeigt es an
Auf einmal heißt , der Herzog kommt
Von Frankfurt auf der Bahn


Wir grüßten unsem Fürst ja hier
Adolph Herzog mit Ton
Begleitung in das Schloß geziert
Er kam auf den Balkon;
Er winkte dort mit seinem Hut
So still ist´s wie am Grab.
„Nassauer, Treue, höret zu
Was ich nun hier euch sag
Was mein Minister, meine Mutter hier
Mein Bruder euch versprach
Das sag ich euch mit einem Wort
Das halte ich euch auch.“


Das ganze Volk, das rufet nun
„Adolph Herzog, lebe hoch!“
Er schwenkte nochmals seinen Hut
Das Volk den Ton einzog
„Nassauer, Treue, höret an!
Bleibt mir so treu, wie ich euch bin
Mit Dank sag ich es aus
So geht in Gottes Namen hin
Ja jeder in sein Haus!“

Text: Liederbuch des Ludwig Berger aus Selters ( Oberlahnkreis ) Nr.1. ( Nassauer Archiv ) „Das neue feierliche Vereinigungslied für das Herzogtum Nassau am 4. März 1848“ – DVA A 101 212 – nach Steinitz II ,1962


Steinitz schreibt zu diesem Lied:  „Es handelt sich hier um eine Art „Zeitungslied“, das die Nassauer Volksbewegung von Anfang März 1848 in „objektiver“ Art darstellen will, mit dem offenkundigen Bemühen, weder beim Volk noch beim Fürsten anzustoßen. Es ist hier aufgenommen, weil es eine anschauliche Vorstellung gibt von dem Verlauf der Volksbewegung: ihrem Umfang (Das  Das viele Volk kam anmarschiert . . . Bis 30000 Mann), von den Führern der Volksbewegung, besonders dem Rechtsanwalt „Vater Hergenhahn“, die zuerst die Parole „Freiheit, Gleichheit“  ausgeben, dann aber vor der Massenbewegung erschrecken und sie mit Versprechungen der Herzogin und anderer zu beruhigen versuchen: „Glaubt mir fest, wenn der Herzog kommt genehmigt er es auch“ ; das erwachte Volk zeigt einen höheren politischen Reifegrad: „Da ist nichts Festes dran“ , läßt sich aber schließlich durch ein paar freundliche Worte des Herzogs selbst beruhigen. — Die Darstellung des Liedes entspricht in allen Einzelheiten der historischen Darstellung der Nassauer Märzbewegung bei H. Blum, 1848, S. 134f. Der handschriftlich überlieferte Text zeigt viele verderbte Stellen.“

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