Gät acht i will ech öppis zelle (Der Obersimmentaler in Amerika)

Auswandererlieder | | 2006
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Gät acht, i will ech öppis zelle
vom neuen Land Amerika.
I ha das jetzt scho lang geng welle
u ha´s de neue geng la gab.
Es ist jetzt de es Jahr gly scho,
dass mir von och hi Abschied gno.

Wo mir vo ech ewäg sy ‚gange,
do het’s is weh tah nit e chly;
mer sy vor Härzweh fast Vergange
bis mer es Mal sy von ech gsy;
danah sy mir bi Paris für
und über’s Meer, dur ds Wasser dür.

I muess ech zerst no öppis brichte
vom Meer und vo de Wälli druff,
u was das mängsmal cha verrichte
mit Lüt u Guet, da obe druff.
Es het mi mengist Wunner gno,
jetzt hin i usem Wunner cho.

Es ist e grüselichi Glunte –
wer’s net gseh het, der gloubti’s nit –
und tüüf ist’s, dass me cha kei Chlumpe
ganz z Bode lah am länge SiiL
Dir chöht e Jahr druff ummi gah,
dir gseht no numme Bitz derva.

A Himmel uehi und y ds Wassei;
da cha me gugge, wenn es ist;
sust gseht me nit viel schöni sache,
s hie u da e grosse Fisch.
U mengist sy da Wälli cho,
die ds Schiff ganz u d Syte gno.

Eh bhüetis Gott, wie het es gwalpet!
Gly wänes z uangerobe ghyt
Da het me rächt gsit: „Gott es walti
u deicht, es müessi gstorbe sy.
E Tiil hi Ängste übercho,
u ds Lache hefs is alle gno.

Fast all, die uff em Meer wei ryte,
die wärde chrank die ersti Stund.
Das Waggle spürt me scho bi Zyte,
u chotze muess me wie ne Hun.
Mi sälber het es tüechtig gno;
i ha my Tiil fast überchno.

Chei Wunner, dass me albe inist
öpp use gugget über d Wan,
u da su trurig stiht und gihnet
u deicht: o chämi numme Lan!
Langwylig ist es, das ist wahr,
u macht ihm ds Hihmweh sunnerbar.

Öpp inist amme Morge gscheht es,
so säge di, wo’s chenne, ihm:
„Jetz rückt’s es de, un ärstig giht es
mit üs zum neue Ufer hin!“
Vor Freude wird’s ihm da schier bang,
un eismal tönt es: „Lan, Lan, LanT

Me gseht’s no numme im Blaue usse,
grad wie nes Wülchli näher cho.
doch giht’s net lang, so cha me wüsse,
dass’s Lan ist, mi gseht Hüble scho.
U gly druf hie u da nes Hus:
Gott Lob! jetzt hört de es Walpin

Me fährt gschwin yhi zu der Luke,
wo ds Meer da numme chlys meh ist.
Da bist am Lan, du chätzers Trucke!
Me packt si drus, was hest was gist
Da steit me uf der neue Wal
u seit scho englisch: wäriwell.

Me giht u gschuet afe d Gägni
un öppe d Stadt u lost o d Lüt
Da „helf ju seif so seit der Jenggi,
u „hilf dir selber“, deicht der Dütsch.
Wer gnue Geld het, ist obe druff.
Wer keis meh het, ist hie o uff.

Die Meiste wotte gang bas yhi;
äs gfallt ne neue niene rächt,
u wott ne si nit schicke z blybe.
’s guet Lan ist z tüer u d Lüt sy z schlächt
Z lötscht anhi chuft me denn e Bitz
des Gstrüpps und buut si druf e Sitz.

Das Buue ist es gspässig Wäse
für da im Busch, wo’s chuum vermah;
me schleppt e Hufe Trommle zamme,
öpp i der Längi so ugfahr.
Danah so bstellt me d Lüt e Tag,
und lüpft si uf un leit si grad.

De bruchts nüt meh äs Dach u Bode,
zwi Pfester dry und öpp a Tür,
u de no d Chleck mit Dräck z verschoppe,
susch blast ihm ganz der Luft dedür;
und hindenahi es Kamin;
das tuefs de fast und ghyt nit yn.

Verwiche hani afe Schlange,
de was der numme schö’s wüt gseh,
in üser Stube inne gfange;
me schücht se nit – es soll o gscheh,
dass gwüssni Lüt ne no expräss
in ihrne Stube hi es Näst

Me het hie Vieh und milcht und mezget,
me gugget öppe und zieht si hi.
Man nimmt e Achs u giht u bäzget
im Holz a mängem grobe Buum.
Es git ech Arbit nit für Gspass,
hie zmitts im Wal, uf frischem Platz.

We ds Vieh furtluft, so muess me flueche
das ist e tusigs Tüfels Gschicht!
Viel lieber wett i no ga sueche
bi och uf d Allmit euers G’richt;
denn diesi Allmit giht ech no
von Grönland bis nach Mexiko.

’s ist nadisch nit, wie viel Lüt meine
hie allz so söfli fadegrads.
Wär’s rächt grad will, ist bas dahinne
no öppe uf sym alte Platz.
Doch flinggi Lüt, die werbe meu,
die chömme numme, we si cheu.

Öpp ine söllti Glogge bringe
u no nes Wüschli Gäld derzue;
hie Chüeh ha u ne Matte dinga,
der Schwyzerchäs, der gälti gnue.
Es war nes lustigs Labe da
für ine, da rächt juchze ma!

Dir sölltit chönne dürhi gugge
u sälber gseh grad wie nes ist;
es würdi viellecht mänge gluste,
u mängi süti: Ni, ni gwüss –
wenn’s sy muess, will i lieber no hie
um my lötschte Chrüzer chd“

I chan ech wäger nit rächt rate
u säge: chömit – oder nit
Denn üsers Labe ist e Schatte,
bis dass mer gah y d Ewigkiit
Dert finne mer enannere scho,
will’s Gott, doch öppe frisch und froh.

Text und Musik: anonym – Der Pfarrer von Beatenburg in der Schweiz zeichnete das Lied um die Mitte des 19. Jahrhunderts auf. Ein gewisser J. K. soll es 1835 aus Buffalo zurückgebracht haben; im Oberland werde es vielerorts gesungen. – Eine Übersetzung ins hochdeutsche vom Obersimmentaler in Amerika

Glossar

u ha’s de neue geng la gah = und habe es dann doch immer unterlassen
bi Paris für = an Paris vorbei
Ghmte= Pfütze
uehi = hinauf
gwalpet = geschwankt
hi, Siil, Tiil, inist usw. = hei. Seil, Teil, einist
ärstig = ernsthaft
Gägni = Gegend
Jenggi = Yankee

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