Friedlich nach durchlaufner Bahn (Edle Rache)

Gedichte | 2012
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Friedlich nach durchlaufner Bahn
Den erstarrten Leib zu pflegen
Kam gepeitscht vom Herbst Orkan
Und durchnäßt von Schnee und Regen
Der mobile Handelsmann
Levi Schmul im Wirtshaus an

Zechend in zufriednem Kreise
Saß des Städtchens Bürgerschaft
Labte sich am Gerstensaft
Und besprach sich wechselsweise
Hier von Schul und Kirchenzucht
Von verheerenden Kometen 
Dann  von Pest und Kriegesnöten
Und des Alpes Zentnerwucht 


Levi grüßt und nahm bescheiden
In der Eck ein Plätzchen ein
Unwillkommnes harrte sein
Schmach und Kränkung mußt er leiden
Statt der Ruhe sich zu freun
Denn zur Lust der Kümmelbrüder
Brannte mit dem Pfeifenspan
Barkenfeld der Seifensieder
Ihm den Bart von hinten an
Gellendes Gelächter krönte
Seine Großtat für und für
Schamvoll schlüpfend durch die Tür
Sucht im Stall sich der Verhöhnte
Friedensrast und Nachtquartier


Mitternacht mit dunkler Hülle
Deckte Tal und Hügel schon
Alles Leben war entflohn
Aber furchtbar durch die Stille
Drang der Feuerglocke Ton
Prasselnd schlägt die Wut der Flammen
Um des Seifensieders Dach
Heulend läuft das Volk zusammen 
Alle Schläfer werden wach
Alles regt sich und geschwinde
Wird der Wasserschlauch gefüllt
Daß die Flamme kühn und wild
Aufgejagt vom Wirbelwinde
Den gewaltgen Gegner finde
Doch wer faßt ein Herz und fliegt
Rettend nach dem zarten Kinde
Das im Erker schlummernd liegt
Denn die Mutter sieht man rennen
Angst beflügelt ihren Lauf
Und verzweifelnd kreischt sie auf
Lasset Haus und Habe brennen
Reißt das Kind aus Feuersglut


Sieh da zeigt mit hohem Mut
Wo die Funken sprühn und stieben
Sich ein Fremdling eilt ins Haus
Eilt vom Dampf zurückgetrieben
Wieder vor die Tür heraus
Blickt empor und klimmt behender
Als der Marder scheu im Lauf
Giebelwärts am Weingeländer
Bricht die Fensterpfosten auf
Steigt hinein mit Windeseile
Knüpft, inde mit Todesgraun
Aller Augen aufwärts schaun,
Mit gelöstem Wiegenseile
Sich das Kind am Busen fest
Eilt vom Augenblick gepreßt
Aus dem dampfenden Reviere
Steigt am schwankenden Spaliere
Niederwärts in heitrer Lust
Legt das Kind wie er´s gefunden
Lebend an die Mutterbrust
Wendet sich und ist verschwunden
Und das Haus der Gluten Raub
Sinket schnell in Schutt und Staub


Doch so wie der Morgen wieder
Purpurfarbig sich erneut
Tritt der Gastwirt still erfreut
zum verarmten Seifensieder 
Einen Beutel in der Hand
Levi spricht er, der die Wand
Deines Giebelwerks erklommen
Der dein Kind der Wieg entnommen
Levi hat mich hergesandt
Diese Gabe dir zu reichen
Dank und Tränen spare dir
Seine Barschaft ließ er hier
Doch von hinnen flugs zu weichen
lag sein Bündel schon geschnürt 


Die ihr Christi Namen führet
Gehet hin und tut desgleichen 

Text: Karl Gottlieb Prätzel (1812)
in Als der Großvater die Großmutter nahm (1885) 1812






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