Es wollt ein Herr ausreiten (vor 1856)

Liebeskummer | Uneheliche Kinder | | 2012
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Es wollt ein Herr ausreiten
er ritt wohl in die Weite

Er ritt wohl übern geweihten Kirchhof
da schrieen ihm die Toten nach

Reit sachte o lieber Herre mein
du reitest mir über mein Gräbelein

´S ist heutigen Tags ein Jahr gewest
und daß du mich erschlagen hast

Hab ich dich gleich erschlagen
die Sünde muß ich tragen

Ich hab mir genommen dein Wittfräulein
ich erzieh dir deine Waiselein

Mit was ziehst du meine Kindlein groß
mit Beten Schlägen und scharfer Not?

Hättst du mich lieber am Leben gelan
ich hätt mir sie wollen schon selber schlan

Ich laß meiner Frau mittesagen
sie soll nicht so weinen und wehklagen

Sie soll nicht so weinen und traurig tun
sie stört mir meine ganze Ruh

Sie soll auf den Abend kommen zu mir
wenn alle die Leute werdn schlafen gehn

Wenn alle die Türen verschlossen sein
und alle die Gräber weit offen sein

Sie soll mir mittebringen
von weißer Leinwand ein Hemde

Das erst ist mir geworden so naß
was weint sie immer was tut sie das

Und wie der Herr zu Hofe einritt
die Frau ihm schon entgegen schritt

Bis mir willkommen o Herre mein
warum tust du denn so lange sein

Warum soll ich denn nicht lange sein
wenn mich die Toten aus den Gräbern anschrein

Dein vorger Mann läßt dir mittesagen
du sollst nicht so weinen und wehklagen

Du sollst nicht so weinen und traurig tun
du verstörst ihm seine ganze Ruh

Du sollst auf den Abend kommen zu ihm
wenn alle die Leute werdn schlafen gehn

Wenn alle die Türen verschlossen sein
und alle Gräber weit offen sein

Du sollst ihm mittebringen
von weißer Leinwand ein Hemde

Warum hast du gemacht ihm den Kittel so naß
ach lieber Gott warum tust du das

Ich will ihm ein Hemde lassen schneiden
von lauter Sammet und von Seiden

Von Sammet und Seiden und rotem Gold
weil ich an seinem Tod bin schuld

Der Herr der war nicht faule
er schlug die Frau ins Maule

Er schlug die Frau ins Angesicht
ist dir dein vorger Mann lieber als ich

Die Frau die nahm ihr ein Stecken
sie ging auf den Kirchhof wecken

Tu dich auf tu dich auf du Erdenkloß
und nimm mich hinunter in seinen Schoß

Was willst du denn hier unten tun
hier unten hast du keine Ruh

Hier unten hörst du kein Glockenklang
hier unten hörst du kein Priestersang

Hier unten hörst du kein Hahn nicht krähn
hier unten hörst du kein Wind nicht wehn

So geh nur wieder heime
und erzieh dir deine Waislein kleine

Erzieh sie dir alle groß und klein
daß sie ein wenig erzogen sein

Es reuet mich nichts so sehre
als wie nur des gar Klein in der Wiege

Was da weder reden noch sprechen kann
wenn ich dran denk geht michs Jammern an

Schließt euch ihr Gräbelein feste
die erste Treue die beste

Schließt euch ihr Gräbelein feste zu
auf dieser Welt hab ich keine Ruh

Text und Musik: unbekannter Verfasser – Mitgeteilt durch Herrn Professor Hoffmann von Fallersleben
Bei Ludwig Erk in Deutscher Liederhort (1856) heisst das Lied: Der Vorwirt
Dazu die Erläuterungen: Vorwirt:  der erste Mann der Hauswirtin —  16: Bis, sei — 29:  in seine Schoß
Die Strophen 21 u 32 werden nach dem zweiten Teile der Melodie gesungen

1856







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