Es wohnet ein Fiedler zu Frankfurt am Main

Balladen und Moritaten | | 2006
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Es wohnet ein Fiedler zu Frankfurt am Main,
der kehret von lustiger Zeche heim
und er traut auf den Markt, was schaut er dort?
Der schönen Frauen schmausten gar viele an dem Ort.

Du bucklichter Fiedler, nun fiedle uns auf,
Wir wollen dir zahlen des Lohnes vollauf!
Einen feinen Tanz, behende gegeigt,
Walpurgis Nacht wir feiern heut.


Der Geiger strich einen fröhlichen Tanz,
die Frauen tanzten den Rosenkranz,
und die erste sprach: mein lieber Sohn,
du geigtest so frisch, hab‘ nun deinen Lohn.


Sie griff ihm behend‘ unters Wams sofort,
Und nahm ihm den Höcker vom Rücken fort:
So gehe nun hin, mein schlanker Gesell,
Dich nimmt nun jedwede Jungfrau zur Stell‘.


Der Fiedler schlank in die Herberge trat,
Da wartet sein buckliger Kamerad,
Den faßte der Neid. Der Hexen Gunst,
Erwerbe ich mir auch durch meine Kunst !


Er trat auf den Marktplatz zur fröhlichen Schar,
Die tanzte im Mondenlicht immerdar.
Ich geige euch gern, wenn für den Dienst,
Ihr zahlen wollt mit gleicher Gunst.


Er geigte falsch zu der Frauen Tanz,
Zerstörte den holden Reigen ganz.
Die erste sprach: Mein lieber Sohn,
So wie du gegeigest, so sei nun dein Lohn.


Sie nestelt ihm vorne am Wams sofort,
Verbarg des Gesellen Höcker dort
Und nun ging es -husch- es wirbelt umher,
Der weite Marktplatz war still und leer.


Der neidische Fiedler tappte da lang,
Er dachte er käme nach Hause gar schlank.
Doch wie lachten sie, wie kam er in Zorn,
Er fand sich behöckert so hinten als vorn.


Text: Anton Wilhelm Florentin Zuccalmaglio 1803-1869
Musik: Zuccalmaglio / Satz J. Brahms
nach einem älteren, verschollenen Volkslied

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