Es wirbt ein junger Grafensohn

Liebeslieder | | 2006
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Es wirbt ein junger Grafensohn
ums Königs feine Tochter
Er wirbt drei Jahr und sieben Jahr
und könnt´ sie nicht erfreien.

Und da die sieben Jahr ummer warn
ein Brieflein tut sie schreiben:
„Leg du dir weibisch Kleiderlein an
flecht dir dein Haar in Seide“


Er reit vor seiner Schwester Tür:
„Schwester, bist du da drinnen?
Ach leih mir deinen braunseidenen Rock,
Flecht mir mein Haar in Seide.“


Sie legt sichs aus, und ziehts ihm an
flecht ihm sein Haar in Seide
Sie legt ihm ein silber Gesteckmesserle dran
Er reit wohl über grün Heide.


Und da er auf die Heid‘ naus kaum
gar höflich tat sie singen
Da war der König und auch sein Kind
in einem hohen Zimmer


„Ach Papa, lieber Papa mein
Wer kann so höflich singen?
Es singt fürwahr eine schöne Jungfrau
daß’s durch die Berge tut klingen.“


„Laß du sie nur reiten, laß du sie nur gehn!
Sie reit auf rechter Straßen
und wenn sie heimkommt vor unser Schloßtor
zum Stallknecht muß sie schlafen.“


„Ach Papa, lieber Papa mein
das war uns beiden ein Schande
Es schickte schon mancher edle Herr
sein Kind in fremde Lande.“


Da es nun war am Abend spät
vor die Schloßtür kam sie geritten
sie klopft mit ihrem Goldringlein an:
„Feinslieb, bist du da drinnen?“


Und als sie in das Schloß‘ nein kam
der König tat sie gleich fragen;
„Sei du uns willkommen, du schöne Jungfrau
oder hast du ein Manne?“


„Ich hab kein Mann und will kein Mann
ein Jungfer will ich bleiben
und wenn ich bei deiner Tochter wär
die Zeit tat sie mir vertreiben.“


„Hast du kein Mann und willst kein Mann
willst du ein Jungfer bleiben:
So mußt du bei meiner Tochter schlafen
ihr Bett ist klare Seiden.“


Und da es war um Mitternacht
dem König träumte so schwere
daß es fürwahr ein schön jung Knab
bei seiner Tochter wäre.


Der König und der war ein artlicher Herr,
bald tat er ein Licht anzünden,
er ging von Bett bis wieder zu Bett,
bis er die zwei tat finden.


„Ach Papa, lieber Papa mein
laß uns nur beide gewähren
Gott nährt so manchen Vogel in der Luft
er wird uns auch ernähren.“


von Goethe im Elsaß gehört, aufgeschrieben und an Herder weitergegeben, in dessen Nachlass es gefunden wurde
Die Orignalmelodie ist nicht erhalten. Das Lied wird meist zu „Es liegt ein Schloß in Österreich“ gesungen.

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