Es steht ein Wirtshaus an der Lahn

Trinklieder | | 2006
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Es steht ein Wirtshaus an der Lahn
da hält ein jeder gern mal an
Frau Wirtin sitzt am Feuer
und jeder, der am Tische sitzt
der greift mal zu der Leier

Frau Wirtin hat auch einen Mann
der spannt den Fuhrleuten selber an
Er hat vom allerbesten
Ulrichsteiner Fruchtbranntwein
und setzt ihn vor den Gästen

Die Wirtin hat auch einen Knecht
und was er tut, das ist ihr recht
er tut sie karessieren
Der Morgens, wenn er früh aufsteht
kann er kein Glied nicht rühren

Frau Wirtin hat auch eine Magd
die sitzt im Garten und pflückt Salat
sie kann es kaum erwarten
bis das das Glöcklein zwölfe schlug
da kommen die Soldaten

Und als das Glöcklein zwölfe schlug
da hatte sie noch nicht genug
da fing sie an zu weinen
mit ei, ei, ei und ach, ach, ach
nun hab ich wieder keinen

Und wer hat wohl dies Lied gemacht
zwei Soldaten auf der Wacht
ein Tambour und ein Pfeifer
und wer das Lied nicht weiter kann
der fang es an zu pfeifen

Andere Variante der ersten Strophe:

Es steht ein Wirtshaus an der Lahn
da kehren alle Fuhrleut an
Frau Wirtin sitzt am Ofen
Die Fuhrleut um den Tisch herum
die Gäste sind besoffen

Andere Variation der Schlußstrophe:

Jetzt war´n wir selber an der Lahn
und sah´n uns die Frau Wirtin an
da müssen wir schon sagen
ihr Ruf ist zwar bedauerlich
doch gut ist ihr Betragen

Text und Musik: Verfasser unbekannt , vor 1900
 weitere Strophen und Versionen dieses Liedes

Bekannt wurde das Lied durch zahlreiche hinzu gedichtete Verse mit mehr oder weniger schlüpfrigem Inhalt. Diese Verse beginnen meist mit „Frau Wirtin hat’ auch eine(n). . .“ Besonders beliebt war das Singen dieser Verse in typischen Männerkreisen, also beim Militär, unter Studenten oder im Verein. Der Ursprung der ersten Verse dürfte im frühen 18. Jahrhundert liegen. Im Laufe der Jahrhunderte wurden etwa 800 (!) Strophen hinzugefügt.

Rolf Brechnich schreibt in “ Erotische Lieder aus 500 Jahren „Das berühmt-berüchtigte Lied von der „Frau Wirtin“ darf in einer Sammlung, die Anspruch darauf erhebt, einen Querschnitt durch das populäre erotische Lied der letzten Jahrhunderte zu bieten, natürlich nicht fehlen. Die Geschichte des Liedes läßt sich bis in das Jahr 1780 zurückverfolgen. Ursprünglich handelt es sich um ein harmloses Fuhrmannslied (etwa die ersten vier Strophen unserer Fassung beinhaltend). Seine besondere „Würze“ erhielt das Lied durch die neu hinzugedichteten Zusatzstrophen, zu denen zunächst Marburger Studenten, aber angeblich auch viele berühmte Häupter beigetragen haben. Der Lahnwirtin widerfuhr damit Ähnliches wie der Lindenwirtin in dem Lied “ Keinen Tropfen im Becher mehr „. Die Zusatzstrophen, die bis in die Gegenwart führen, haben das Lied lebendig erhalten, und heute streiten sich viele Lahnorte um das Vorrecht, das „Original-Wirtshaus“ in ihren Mauern zu besitzen. Die Quelle für unsere Melodie ist Erk-Böhme 2, Nr. 858, die 28 Strophen sind eine Auswahl aus den im Deutschen Volksliedarchiv gesammelten Hunderten von weiteren Varianten.

Literatur: Fr. S. Krauß /K. Reiskel, Das Wirtshaus an der Lahn. Die ungedruckten erotischen Strophen des Volksliedes. In: Anthropophyteia 2 (1905) S. 113—116 (18 Strophen). Ferner: Anthropophyteia Beiwerke 4 (1911) S. 210-237 (334 Strophen): Anthropophyteia Beiwerke 9 (1929) S. 300-310 (134 Strophen); Eduard Arens, Es steht ein Wirtshaus an der Lahn. In: Zeitschrift für rheinisch-westfälische Volkskunde 15 (1918) S. 130-131; Alfred Klement, Das Wirtshaus an der Lahn. Das Lied und seine Legende, Reichenberg in B. und Berlin 1934/35; Das Wirtshaus an der Lahn. Ein Volkslied, Hanau a. M. 1966 (ca. 400 Strophen); Volks-Erotik, Hanau a. M. 1968, S. 85-92 (44 Strophen); Frh. von Voegelin, Frau Wirtin in Klassikers Munde. Texte und Kommentare, München 1969; Rolf Wilh. Brednich, Erotisches Lied. In: Handbuch des Volksliedes 1, München 1973, S. 612-614.

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