Es schiffte ein Mägdlein über die See (Lied von der schönen Schifferin)

Gedichte | 2012
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Es schiffte ein Mägdlein über die See
Ihr werdet es freilich nicht kennen
Doch dass meiner Heldin ihr Recht gescheh
So will ich Bianka sie nennen

Das Schifflein fuhr sanft auf den Fluten dahin
Und Mai war´s und alles war heiter
Gestimmt zur Freude war jeder Sinn
Was will unsre Schifferin weiter


Allein ein Mädchen will immer noch was
Ein Sturm meint sie wäre wohl besser
Da käme doch etwas lustiger Spaß
Und Tanz in das stille Gewässer


Gesagt getan. Aus Süden daher
Kam ein Sturm mit gewaltigen Schwingen
Das Schifflein tanzt die Kreuz und Quer
als sollten´s die Fluten verschlingen


Nun schreit sie ängstlich zum Himmel hinauf
Nicht tanzen mehr ruft sie und weinet
Wer nimmt denn alles so ernstlich auf
So war es ja gar nicht gemeinet


Ach lass mich о Himmel nicht untergehn
Bei der Sonne gelob ichs da droben
Sie soll mich nimmermehr tanzen sehn
Man kann nichts fester geloben 


Schon zürneten leiser und leiser die Wellen 
Das Schifflein gewinnet den ruhigen Lauf
Der dunkelnde Himmel fängt an sich zu hellen
Die Sonne geht unter der Mond geht auf


Dei Sturm verschwand man kam In den Port
Bei einem gar fröhlichen Städtchen
Da tanzten an einem offnen Ort
Die Fischer Buben und Mädchen


Und als Bianka so sinnig da stand
Da konnten die Füsse kaum ruhen
Es tanzten auf ihre eigne Hand
Die Zehen geheim in den Schuhen


Sie aber steht in sich gekehrt und stumm
Sie will in den Tanz sich nicht mischen
Und sieht nach dem Meere verdriesslich sich um
Doch endlich springt sie dazwischen


Und fliegt hinauf den lustigen Reihn
Es wehn die schmückenden Kränze
Von oben der prächtige Maimondschein
Beleuchtet die fliegenden Tänze


Da ruft eine Stimme vom Himmel О weh
Bianka du hast dich verloren
Gedenk an den fährlichen Tanz auf der See
Was hast du der Sonne geschworen


Bianka du hast dein Gelübde verletzt
Was spricht sie was hab ich verbrochen
Die Sonn ist in Amerika jetzt
Und dem Mond hab ich gar nichts versprochen 

Text: Christoph August Tiedge (1812)
in Als der Großvater die Großmutter nahm (1885)

1812
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