Es ritt ein Jägersmann über die Heid (Der grausame Bruder II)

Balladen und Moritaten | | 2012
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Es ritt ein Jägersmann über die Heid (den Rhein)
er wollte Graf Holsteins Schwester frein

Meine Schwester Annchristine die kriegst du ja nicht
denn sie ist von Adel das bist du ja nicht

Und ist sie von Adel so hübsch und so fein
so hat sie doch ein klein Kindelein

Musje Jäger das mustu gelogen sein
meine Schwester Annchristine ist Jungfer fein

Solln alle meine Worte gelogen sein
so laßt die Christine mal kommen herein

Da schickte Graf Hans Annchristine ein Boten
sie soll kommen zu Pferde und nicht zu Wagen

Und als der Annchristine die Botschaft kam
sie soll gleich kommen zu Pferde heran

„Was schickt mir mein Bruder ein so schlechten Boten
ich soll gleich kommen zu Pferde heran?

Sonst schickt er mir einen silbernen Wagen
die Pferde die waren mit Golde beschlagen

So langt mir her mein seiden Wickelband
darin ich will wickeln mein jungen Triafant (?)

Ich wickel ihn heut und gar zu gern
ich wickel ihn heut und nimmermehr

Und langt mir her mein Beutelein fein
damit ich kann lohnen die Mägdelein mein

Ich lohne sie heut und gar zu gern
ich lohne sie heut und nimmermehr

Und langt mir her mein weißen Rock
drin will ich mich schnüren als wär ich ein Dock (Puppe)

Annchristine wohl zu Pferde sprang
ihr gülden krauses Haar lang nieder hangt

Sie reit wohl über Berg und Tal
ihr Bruder schon aus dem Fenster sah

Musje Jäger das mustu gelogen sein
meine Schwester Annchristine ist Jungfer fein

Solln alle meine Worte gelogen sein
so laßt die Annchristine auf den Tanzboden rein

Graf Hans der machte wohl nun ein Tanz
der Tanz der daurte sieben Stunden lang

Musje Jäger das mustu gelogen sein
meine Schwester Annchristine ist Jungfer fein

Solln alle meine Worte gelogen sein
so laßt uns mal zücken den Schnürband fein

Und als sie nun den Schnürband zückten
die weiße Milch sprang ihr aus den Brüsten

Ich habe getrunken den rheinischen Wein
das zog mir in die Brüste hinein

Und hast du getrunken den rheinischen Wein
das zieht doch nicht in die Brüste hinein

Annchristine willst du die Rute schmecken
oder soll ich dich mit dem Schwerte durchstechen?

Viel lieber will ich die Rute schmecken
eh du mich sollst mit dem Schwerte durchstechen

Er schlug sie so sehre er schlug sie so lang
bis Lung und Leber aus dem Leib ihr sprang

Halt ein halt ein lieber Bruder mein
Prinz Friedrich von Engelland ist Schwager dein

Ach Schwester hättst du mir das eher gesagt
so hätt ich dich nicht zu Tode geplagt

Und kannst du noch bis morgen leben
so will ich dir ganz Schweden geben

Und kannst du leben noch einen Tag
So will ich dich führen nach Engelland

Ich kann nicht mehr leben eine halbe Stund
Wolltst du mich auch führen nach Engelland

Ich kann nicht mehr bis morgen leben
Wolltst du mir auch ganz Schweden geben

Es dauerte wohl bis an den dritten Tag
Prinz Friederich von Engelland geritten kam

Guten Tag, guten Tag, lieber Schwager mein
Wo hast du die Herzallerliebste mein?

Dein Herzallerliebste ist krank gewesen
Und sie wird nun und nimmer genesen

Sie haben mir unterwegs erzählt
Du hättest sie selber zu Tode gequält

Setz dich nieder, setz dich nieder an diesen Tisch
Es sollen gleich kommen gebratene Fisch

Gebratene Fische, die eß ich nicht gern
Noch früher sollst du den Tod schmecken lern

Lege dich, lege dich nur auf den Tisch
Wir wollen dich hauen wie gebratene Fisch

Daß jedes Stück nicht größer sei
Als wie ein kleiner Fisch mag sein

Sie legten den Grafen wohl auf den Tisch
Sie hauten ihn klein wie einen Fisch

Annchristine, die ward getragen zu Grabe
Graf Hans, den fraßen Krähen und Raben

Text: „Graf Hans von Holstein und seine Schwester Annchristine“,  Mündlich aus Marne in Ditmarschen
in: Karl Müllenhoff : Sagen, Märchen und Lieder der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg. Kiel 1845, S. 499-501 – Ludwig Erk bringt es in Deutscher Liederhort (1856) als inhaltlich verwandt mit Es fuhr ein Pfalzgraf wohl über den Rhein . Karl Müllenhoff schrieb zu diesem Lied:

„Leider ist das merkwürdige Lied vielfach zerrüttet und lückenhaft. Ohne Zweifel war es ursprünglich plattdeutsch, was auch Reime (Baden: Wagen; Stock: Popp) bestätigen können. Graf Hans, Graf Holstein, Graf Feldmann oder König Hans, wie er in verschiedenen Relationen genannt wird, soll wohl der zweite Oldenburger sein; er verspricht (als Unionskönig) ganz Schweden. (Seine Schwester Margareta war an Jakob III. von Schottland verheiratet.)

Trotz dieser eigentümlichen Anknüpfung aber ist der Hauptinhalt des Liedes doch vielleicht aus Dänemark herübergekommen. Ein altdänisches Lied (Danske Viser fra Middelald. II, S. 31. Grimms altdän. Heldenlied S. 322) meldet von der liden Kirsten, Waldemars I. Schwester dasselbe, was hier der Annchristine durch Graf Hans geschieht. Der Jäger entspricht gewissermaßen der Königin Sophie, mehr noch Prinz Friedrich ihrem Bruder, Herrn Buris. Natürlich darf man an keine Übersetzung denken; Schluß und Eingang beider Lieder sind durchaus verschieden. Vielmehr zeigt sich, daß das, was im 13., 14., 15. Jahrhundert in Dänemark von Waldemar und der kleinen Christel erzählt und zu Liedern verarbeitet wurde, im 16. Jahrhundert bei uns auf König Hans übertragen und glücklicherweise auch zu einem Liede gestaltet ward: wohl nur die Sage vermittelt jene beiden Lieder. Lange nach dem 16. Jahrhundert kann unser Lied unmöglich entstanden sein. Sehr zu beachten ist freilich daneben das Lied vom Pfalzgrafen am Rhein im Wunderhorn I, 259.

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