Es hütet ein Herr sechs graue Roß (Das nasse Grabhemd)

Balladen und Moritaten | | 2012
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Es hütet ein Herr sechs graue Roß
auf einem wüsten Kirchhof

Er hütet den Kirchhof um und um
bis er kam zu seins Vorwirths Grab

Wer hütet mein Grab wer knetet mein Grab
wer hütet mir all meine Gräslein ab

Wer schläft auch bei meim jungen Weib
wer schwächt ihr denn den stolzen Leib

Wer zieht mir denn meine Waislein auf
mit Rutn und auch mit Geißeln scharf

Ich zieh dir wohl deine Waislein auf
mit Rutn und nicht mit Geißeln scharf

Ich schlaf wohl bei beim jungen Weib
ich schwäch ihr nicht den stolzen Leib

Und wenn du wirst heimkommen sag ihr
sie soll mir bringen ein abgetrocknet Hemde

Das erst ist mir geworden so naß
was weint sie immer was thut sie das

Und wie der Herr daheime kam
er sah seine Frau gar sauer an

Du sollst deim Vorwirth bringen
ein abgetrocknet Hemde

Das erst ist ihm geworden so naß
was weinst du immer was thust du das

Und wüßt ichs nur daß es wahr wär
ich ließ ihm gleich abschneiden
ein Kittel von weißer Seiden

Die Schön erwischt ihren Rocken
sie ging ans Grab anklopfen

Thu dich auf thu dich auf du Erdenkloß
und laß mich nunter auf seinen Schoß

Was wirst du denn hier unten thun
hier unten hast du ja kein Ruh

Hier unten darfst du nichts backen
hier unten darfst du nicht waschen

Hier unten hörst du kein Glockenklang
hier unten hörst du kein Vogelgesang

Hier unten hörst kein Wind nicht wehn
hier unten siehst kein Regen nicht sprehn

Da kräht die erste Himmelstaub
die Gräblein thäten sich alle auf
die Schöne stieg zu ihm nunter

Da kräht das andere Höllenhuhn
die Gräblein thäten sich alle zu
die Schöne mußt unten verbleiben

Diese Fassung in Alte teutsche Volkslieder in der Mundart des Kuhländchens (1817)

Beruht auf dem Volksglauben , daß von den Tränen, die unmäßiger Schmerz der Zurückgebliebenen vergießt, das Sterbekleid des Toten noch im Grabe naß werde ( in Deutscher Liederhort , 1856)

19: sprehn , sanft und geweht regnen — 21:  Höllenhuhn nach der Mundart des Kuhländchens,  Hellehuhn ,  wahrscheinlich wie Himmelstaube ein Vogel der alten Fabellehre,  unter dem man später das Käuzlein (stryx ulula) verstand, das in vielen Gegenden ja auch den schauerlichen Namen Leichenhuhn führt . Huhn d h Vogel kommt noch in dem Worte Herrgottshühnle vor,  worunter alle Gesangvögel verstanden werden, deren Nester zu berauben zür Sünde geachtet wird. (Erk)

1817







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