Es hatte ein Gastwirt einen Sohn

Balladen und Moritaten | | 2007
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Es hatt ein Gastwirt einen Sohn
er ließ ihn etwas lernen schon
das Schlosserhandwerk eben

Und als er ausgelernet hatt
gab er sich auf die Wanderschaft
und tät sich was versuchen

Und als nun sechzehn Jahr um warn
er als Gesell nach Hause kam
sein Eltern zu besuchen

Stellt er sich als ein Fremder hier
bat höflich um ein Nachtquartier
gab sich nicht zu erkennen

Ach Gastwirt lieber Gastwirt mein
schreibt an die Zeche groß und klein
morgen werd ich Alls bezahlen

Ach Gastwirt lieber Gastwirt mein
hebt mir auch auf mein Ränzelein
und tut mirs wol verwahren

Darin hab ich ein schön Stück Geld
das ich erspart hab in der Welt
in meinen jungen Jahren

Die Tochter nahm ein Licht zur Hand
und leuchtet ihm ganz unbekannt
tät ihn zu Bette führen

Ach Jungfer liebste Jungfer mein
hat sie kein einzigs Brüderlein
daß sie muß Alls verrichten

Ach ja ich hab ihr zwei gehabt
der Eine liegt im kühlen Grab
starb erst vor vierzehn Tagen

Der Andre wird sein lange tot
in sechzehn Jahrn habn wir kein Wort
von ihm können erfahren

Ach Schwester liebste Schwester mein
ich bin dein einzigs Brüderlein
der hier vor dir tut stehen

Drauf schenkt er ihr ein schön Goldstück
Schweig still und sags den Eltern nicht
sonst muß ich wieder aufstehen

Die Schwester folgte seinem Rat
sie hat den Eltern nichts gesagt
und tät zu Bette gehen

Und als es kam um Mitternacht
die Eltern aus dem Schlaf erwacht
täten das Geld besehen

Das Geld das macht ihn´ frischen Mut
sie sprachen Jetzt könnts werden gut
wenn wir ihn tätn erschlagen

Der Teufel ließ ihn´n keine Ruh
sie gingen auf die Kammer zu
und täten ihn erschlagen

Und als der erste Schlag geschach
der Gselle aus dem Schlaf erwacht
und tät erbärmlich schreien

Soll ich in meines Vaters Haus
mein junges Leben hauchen aus
und meinen Geist aufgeben?

Ach Jesu an des Kreuzes Stamm
nimm doch mein arme Seele an
tu mir mein Sünd verzeihen

Die Schwester hört das groß Geschrei
lief eilend zu der Kammer nein
allwo der Bruder tät liegen

Verflucht solln doch die Hände sein
die mir mein einzigs Brüderlein
so schmerzlich tun umbringen

Verfluchte Stund die Mutter sprach
da ich das Geld besehen hab
und sprang sogleich in Brunnen

Der Vater stach sich in den Hals
im Augenblick ermordet Alls
ach was ist das für Jammer

Die Tochter starb vor Herzeleid
den Freunden brachts viel Traurigkeit
Gott behüte uns doch Alle

Text und Musik: Verfasser unbekanntEine ähnliche Fassung dieser Geschichte steht in der Sammlung Nützel und wurde um 1930 in der Nähe von Hof in Bayern aufgezeichnet . Die Geschichte von dem Sohn, der unerkannt bei seinen Eltern in deren Wirtshaus übernachtet und von ihnen ermordet wird, ist mit unterschiedlichen Melodien in verschiedenen Textfassungen verbreitet. Zu dieser Fassung mit der Schwester führt Ludwig Erk drei Melodiefassungen an , die erste vielfach mündlich überliefert aus Schlesien und Brandenburg , die zweite aus dem Elsaß und die dritte aus der Gegend von Magdenburg .

Die Melodien ähneln sich ebenso wie die Texte. Insbesondere die hier wieder gegebene dritte Melodiefassung aus Magdeburg ist verwandt mit der Melodievariante aus Baden ( Zähringen ) bei der anderen Textfassung , in der das Mordopfer gemeinsam mit einem Kameraden aus dem Krieg zurückkommt – der Mord geht dann von der Mutter aus.

Zum obigen Text schreibt Ludwig Erk: „Mit Benutzung einer Lesart vom Jahre 1780“ – Zu Abweichungen im Text bei der mündlichen Überlieferung: 1,2:  Er wollt ihn etwas lernen lohn — 7a: Darin hab ich auch Wäsch und Buch und was man sonst noch haben muß,  thut mir es wohl verwahren — 10:  Ich hatt der Brüder schöne zwei , der eine ist gestorben fein allrerst (nur erst) vor vierzehn Tagen —  12,1: Ach glaube liebste Schwester mein — 15,3:  schlichen das Geld zu bsehen — tätn sich das Geld besehen — 16:  wenn wir ihn nun (heint) erschlügen — 21,2: sie drang sich zu der Kammer nein und tät erbärmlich schreien (  den Bruder zu erretten ) — 22,1: Verflucht sind doch die Hände dein —  O ihr verfluchten Eltern mein —  23:  Der Vater hat sich am Baum erhängt die Mutter sich im Brunnen ertränkt die Tochter starb vor Leide –23a:   Es sollt sein eine große Freud /  s´war aber nichts als Traurigkeit / drei Mord die warn geschehen ( So der Schluß in Strehlen  in Schlesien ) —  25,3: Gott behüt uns dafür Amen  –

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