Es hat ein König ein Töchterlein (Die wiedergefundene Schwester)

Balladen und Moritaten | | 2004
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Es hat ein König ein Töchterlein
mit Namen hieß es Annelein
Es saß an einem Rainelein
las auf die kleinen Steinelein

Es kam ein fremder Krämer in´s Land
er wurf ihm dar ein seidnes Band
er wurf ihm dar ein seidnes Band
jetzt musst du mit mir in fremde Land


Er trugs vor einer Frau Wirthin Haus,
Er gabs für einen Bankert aus:
Frau Wirthin, liebe Frau Wirthin mein,
Verdinget mir mein Kindelein


O ja! o ja! das will ich wohl,
Ich will ihm tun doch also wohl,
Ich will ihm tun doch also wohl
Gleich wie ein‘ Mutter eim Kind tun soll.


Und als die Jahreszeit ummen war,
Und es zu seinen Jahren kam:
Es wollt ein Herr ausreiten
Und er wollt ausgahn weiben.


Er ritt vor einer Frau Wirthin Haus
die schöne Magd treit ihm Wein heraus
Frau Wirthin, liebe Frau Wirthin mein!
Ist das euer Töchterlein?
Oder ist es eures Sohnes Weib?
Daß es so wunderschön mag seyn?


Es ist doch nicht mein Töchterlein,
Es ist doch nicht mein Sohnes Weib,
Es ist nur mein armes Südeli,
Es wischt meinen Gästen die Stübeli.


Frau Wirthin, liebe Frau Wirthin mein,
Erlaubet mir ein Nacht oder drei,
Erlaubet mir ein Nacht oder drei,
So lang das euer Willen mag seyn!


O ja! o ja! das will ich wohl
Es soll doch euch erlaubet sein,
Es soll doch euch erlaubet sein
So lang das euer Willen mag seyn.


Er nahm schön Annelein bei der Hand,
Er führt es in eine Schlafkammer lang,
Er führt es vor ein schönes Bett,
Ob es die Nacht bei ihm schlafen wölt.


Ach Annelein kehr dich umher!
Nun klag mir deinen Kummer schwer!
Klag mir alles was du weist,
Was du in deinem Herzen treist.


Sag, wer ist dein Vater?
Sag‘ wer ist deine Mutter?
Der Herr König ist mein Vater,
Frau Königin ist meine Mutter,
Ich hab einen Bruder heißt Mannigfalt,
Gott weiß wohl wo er umherfahrt.


Und ist dein Vater ein König,
Und ist dein Mutter eine Königinn,
Hast du einen Bruder heist Mannigfalt;
Jezt hab ich mein Schwesterlein an meiner Hand.


Der Herr zog aus sein goldiges Schwerdt,
Er leit es zwischen beide Herz‘.
Das Schwerd soll weder hauen noch schneiden,
Das Annelein soll ein Mägedli bleiben.


Und wie es Morgens Tage ward
Frau Wirthin vor die Kammer trat:
Steh‘ auf, steh auf du schläde Hur,
Füll deinen Gästlinen Häfelein zu!


O nein! schön Annelein ist kein Hur,
Füll deine Häfelein selber zu,
Füll deine Häfelein selber zu,
Mein‘ Schwester Annelein mus ’s nimmer mehr tun.


Er saß wohl auf sein hohes Pferd,
Und er sein Schwesterlein hinter ihm nahm,
Er nahm schön Annelein beym Gürtelschloß,
Er schwungs wol hinter sich auf sein Roß.


Und wie er durch den Hof einrit,
Sein Mutter ihm entgegen schrit:
Bis mir Gott willkommen du Sohne mein,
Und auch dies zarte Fräuelein!


Es ist doch nicht mein Fräuelein,
Es ist doch nicht mein Fräuelein,
Es ist doch nur euer liebes Kind,
Was wir so lang verloren hei gehan.


Sie setzen schön Annelein oben an Tisch,
Sie geben ihm gesotten und gebratne Fisch,
Sie stecken ihm an einen güldnen Ring:
Jezt bist du wieder mein Königskind!

Text und Musik: anonym – diese Version im 18. Jahrhundert aufgeschrieben. Der Stoff ist älter, mal ist es die Schwester , dann die Tochter –    ähnliche Lieder







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