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Es ging ein Gärtner-Mädchen
Tief sinnend und allein;
Sie sprengte unverdrossen
Ihr Blumenbeet, doch flossen
Auch helle Thränen drein.

Verlaßner Wilhelm, seufzte
Sie ihrem Liebsten nach,
O könnt‘ ich, wie im Garten
Der Blumen, deiner warten,
Du Herzens Wilhelm, ach!

Am kriegerischen Rheine
Verwelkest du vielleicht,
Und wimmerst um Erbarmen,
Indeß kein Mensch dir Armen
Ein Tröpfchen Labung reicht.

Vom wilden Kugelregen
Wirst du vielleicht bedroht,
Wie Blumen unter Schlooßen,
Mit deinen Streitgenossen
Und findest deinen Tod.

So war dem Mädchen immer
Von heißer Ahnung bang,
Seitdem vom stillen Pfluge
Zum kriegerischen Zuge
Man ihren Wilhelm zwang.

Jetzt schlug die Mittagsstunde,
Sie trocknete den Blick,
Und schwankt‘ mit mattem Schritte
Zur väterlichen Hütte
Gedankenvoll zurück.

Auf einmal stand am Wege
Vor ihr ein alter Mann,
Und sprach an seiner Krücke
Mit kummervollem Blicke
Sie um ein Schärflein an.

Wie streckt‘ er nach der Gabe
Begierig seine Hand;
Ach, ruft er, habt Erbarmen
Mit einem lahmen Armen,
Der stritt fürs Vaterland.

Bedeckt mit schweren Wunden,
Mit aufgespaltnem Bein,
Kehr‘ ich nach dreizehn Schlachten
Mit Sehnen und mit Schmachten
Zurück vom blut’gen Rhein.

Mitleidig reichte Röschen
Ihm Geld und Blumenstrauß,
Und forscht‘ ihn unter Thränen,
Mit Ahnung und mit Sehnen
Nach ihrem Wilhelm aus.

Ach sprach der Invalide
Und drückte Röschens Hand,
Wie mancher fiel im Streite,
Zunächst an meiner Seite
Den ich gar nicht gekannt.

Hilf Himmel! Das verhüte!
Seufzt unser Röschen hier,
Zum Leid bin ich geboren,
Mein Wilhelm ist verloren,
Das ahnet lange mir.

Mich jammert, sprach der Alte,
Dein trauriges Geschick;
Doch besser ist es immer
Dein Wilhelm kehret nimmer,
Als so wie ich zurück.

O nein! o nein! erwiedert
Das Gärtner-Mädchen, nein!
Käm‘ Wilhelm nur zurücke,
Wär’s auch an einer Krücke,
Wie fröhlich wollt‘ ich sein.

Wie wollt ich Stab und Stütze
Ihm in der Schwachheit sein,
Des harten Schicksals Schläge,
Sollt‘ er bei meiner Pflege
Vergessen und verzeihn.

O Liebe sonder gleichen!
Rief voll Entzücken hier
Der arme Krückengänger,
Was berg‘ ich mich noch länger,
Dein Wilhelm steht vor dir!

Er warf die Lumpendecke,
In der er Bettlern glich,
Den Stelzfuß und die Krücke
Mit jubelvollem Blicke
Bei diesem Wort von sich.

Da stand er, schnurgerade,
Gleich einem Birkenreis
Vor ihr im weißen Kleide,
Und trug an seiner Seite
Des tapfern Kriegers Preis.

Er drückt mit Freudenthränen
Sein Liebchen an die Brust,
Komm, ruft er, Vielgetreue,
Sei ewig und auf’s neue
Nun meines Herzens Lust.

Dann griff er nach der Krücke
Und schraubt‘ die Hörner los;
Da rollten goldne Stücke
Aus dieser hohlen Krücke
In seines Mädchens Schoß.

Sie herzten nun auf’s neue
Mit junger Liebe sich
Ach Gott, ach Gott, wie fröhlich,
Wie reich, wie stolz, wie selig,
Rief Röschen, machst Du mich!

Sie fliegt mit dem Geliebten
Froh in ihr Haus zurück,
Die Eltern sehn nicht minder
Entzückt auf ihre Kinder
Und wünschen segnend Glück.

Die Schwestern flechten Kränze
In Röschens blondes Haar,
Und eh der Abend grauet
Ist schon das Paar getrauet;
Glück auf, du edles Paar!

Fliegendes Blatt: Fünf neue Lieder, gedruckt zu Dresden
Text und Musik: Verfasser unbekannt
in Sammlung deutscher Volkslieder (1841)

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