Ein Hundsfott muß der Deutsche sein (1798)

Freiheitslieder | Nachtwächter-Lieder | Volkslied-Forschung | | 2010
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Ein Hundsfott muß der Deutsche sein
der jetzt mit den Franzosen nicht stimmet ein
Der Teufel hol Adel und Pfaffen

in Steinitz II , 1962, S. 154f. Steinitz schreibt dazu „Politische Nachtwächterlieder kenne ich schon aus den 1790er Jahren und während der Freiheitskriege. In den Gebirgen des schlesischen Riesengebirges lief um 1798 ein Nachtwächterlied um mit dem obigen Kehrreim. Alfred Zimmermann , Blüte und Verfall des Leinengewerbes in Schlesien (Breslau 1885 , S. 192f.), spricht ebenfalls von der aufständischen Bewegung der Weber in den Gebirgsdörfern um jene Zeit:

„Ein Aufstand der gesamten Gebirgsbevölkerung schien in Aussicht zu stehen. Hoym berichtete nun an den König und erbat seine Zustimmung zu außergewöhnlichen Maßregeln, Das Breslauer Gouvernement forderte auf, 2 Bataillone Infanterie mit 112 Reitern und 2 Kanonen ins Gebirge zu senden….

Was war die Ursache dieser plötzlichen Bewegung? Die Berichte der Zeitgenossen lassen keinen Zweifel, daß der tiefere Grund in der Erhebung Frankreichs zu suchen ist. Der niedere Leinenpreis verbunden mit hohen Rohstoffpreisen, der Druck der Händler waren nur die äußere Veranlassung zu einem wohl verfrühten Losbrechen. Geheime Agitatoren durchstreiften schon seit Wochen die österreichischen, sächsischen und  schlesischen Grenzdistrikte und fanden für ihre Einflüsterungen bei den vom Elend geplagten und dabei geistig regsamen Webern einen fruchtbaren. Boden. Es fanden nächtliche Versammlungen statt, verbotene Bücher wurden gelesen, aufrührerische Lieder im Chor gesungen ( Nachtwächterlied ). Von dieser Tätigkeit legen zahlreiche in Schlesien vorgefundene „Aufruhrzettel“ Zeugnis ab. In einem derselben heißt es: „Der König führt unsere Kinder fort an fremden Ort und werden uns erschlagen. Kein Feind hat uns gefochten an. Ihr lieben Leute höret an, wir wollen anders werden. Wenn wir um Hülffe bitten, da höret es Niemand. Die Edelleute mögen schinden wie sie wollen, da fragt kein König nichts darnach, wenn aber den Armen was soll erleichtert werden, da wagt ein jeder alles dran! Das ist schrecklich leben. Wir sind 13 Tausend Mann gleich auf der Bahn, die wir nach Sachsen kommen an, da wollen wir räumen auf die Edelleute auch die Advokaten.“ — „Gott der Herr hat ja keine Edelleute nicht erschaffen, wie auch keinen Advokaten,“ — „Wenn wir Linderung kriegen von den Edelleuten, so versprechen wir Ruhe, sonst bricht die Welt mit Haufen auf.“ — „Wenn die Herrschaften sein erschlagen, darnach wird es besser werden. Kein König wird uns Herr, wir wollen sie nicht lassen, wir wollen Könige haben, aber sie müßen uns auch helfen.“ — „Die Soldaten sind unsere Kinder, die werden uns geschwind zu Dienste stehen. Überlegt es wohl. Vivat, es leben die Franzosen.“

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