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Ein Hering liebt´ eine Auster
im kühlen Meeresgrund
Es war sein Dichten und sein Trachten
ein Kuss von ihrem Mund

Die Auster, die war spröde
sie blieb in ihrem Haus
Ob der Hering sang und seufzte
sie schaute nicht heraus.

Nur eines Tags erschloss sie
ihr duftig Schalenpaar;
Sie wollt im Meeresspiegel
beschauen ihr Antlitz klar.

Schnell kam der Hering geschwommen,
streckt seinen Kopf herein
Und dacht an einem Kusse
in Ehren sich zu freun!

O Harung, armer Harung
wie schwer bist du blamiert
Sie schloss in Wut die Schalen,
da war er guillotiniert.

Jetzt schwamm sein toter Leichnam
wehmütig im grünen Meer
Und dacht: „In meinem Leben
kieb ich keine Auster mehr!“

Text: Joseph Viktor von Scheffel – 1846 (1826-1886)
Musik: auf die Melodie von “ Ich weiß nicht was soll es bedeuten

u.a. in Allgemeines Deutsches KommersbuchFeuerwerker-Liederbuch (1883) — Deutsch-Österreichisches Studentenliederbuch (1888) — Der freie Turner (1913) —

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