Ein Greis von acht und achtzig Jahren

Gedichte | 2011
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Ein Greis von achtundachtzig Jahren
Ein armer abgelebter Greis
Mit wenigen schneeweißen Haaren,
Kam aus dem Walde, trug auf seinem krummen Rücken
Ein schweres Bündel Reis

Ach Gott, der arme Greis!
Er mußte wohl sehr oft sich bücken,
Als er die Reiserchen im weiten Walde las?
Er hatte keinen Sohn, sonst hätte der’s gethan!


Und weil von Mattigkeit er nun nicht weiter kann,
So setzt‘ er’s ab, und als er nun da saß
Bei seinem Bündel und bedachte,
Wie viel Beschwerde, Müh‘ und Noth
Das Bündel Reis ihm machte,
Wie viel sein Bischen täglich Brod,
Da seufzt er, Lebens satt, und weint, und ruft den Tod:
»Befreie«, spricht er, »mich von aller meiner Noth
Und bringe mich zur Ruh‘!«


Der Tod kommt an, geht auf den Rufer zu;
»Was willst du?« fragt er ihn, »du armer Alter, du!
Daß du mich hergerufen hast?
Du trägst auch eine schwere Last!«


»Ach, lieber Tod«, versetzt darauf
Der arme Greis, – »hilf sie mir auf!«

Text: Ludwig Gleim (1757)
in Als der Großvater die Großmutter nahm (1885)

1757






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