Ein Geier ist ausgeflogen

Freiheitslieder | | 2006
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Ein Geier ist ausgeflogen
im Hegau am Schwarzwald
Der hat viel Junge erzogen
Bei den Bauern überall.
Sie sind aufrührig geworden
in deutscher Nation
Und haben ein´ eignen Orden
vielleicht wird´s gut ihnen gehn

Was mag sein ihr Begehren
der braven Biederleut?
Es scheint der Wahrheit Stern
es ist jetzt reif die Zeit.
Es geschieht mit Gottes Willen
ist unserer Sünden Schuld
Er kann und wird es stillen
Gott geb uns Gnad und Huld


Jetzt sing ich von den Bauren
Und ihrem Regiment
manch einer nennt sie Lauren (Schelme)
Und weiß noch nicht das End
Es tun’s Schinder und Schaber
die treiben Übermut;
Hüt’t euch, ihr Wucherknaben
Es tut in die Läng‘ nicht gut!


Niemand tut sich mehr schämen
Er sei jung oder alt
All‘ Bosheit tut zunehmen
In mancherlei Gestalt
Man tut durcheinander laufen
Man wenig der Wahrheit acht’t
Hoffart, Geiz und Fürkaufen (Wucher)
herrscht in der Welt der Pracht 


Zutrinken und Gottverschwören
Hat genommen überhand
Man kann bald niemand wehren
Es ist fürwahr ein Schand.
Auf den andern will man nichts geben
Man sag‘ gleich, was man woll
In aller Unzucht leben
macht jetzt das Unglück voll


Der Bund, der hat geraten
Jetzt eine sehr lange Zeit
Es will nicht gut geraten
Das Loch ist schon zu weit
Wer kann das jetzt zuflicken?
Das kann ich nicht verstehn!
Sie müssen dran ersticken
Es wird noch übel gehn


Die Herrschaft tun sie schrecken
daß sie kaum weiß wo ’naus
Die Bauern tun sie aufwecken
Und setzen ihnen tüchtig zu
Es sind seltsame Kunden
Sie wagen ihre Haut
Sie haben ein‘ Sinn erfunden
Wer hätt‘ ihnen das zugetraut.


Sie sind ins Feld gezogen
ihr keiner wollt‘ lassen ab
Ist wahr und nicht erlogen
So mancher Bauernknab
Sie haben zusammen geschworen
dem Adel leid zu tun
sie haben ihn arg geschoren
Was wird ihnen werden zu Lohn?


Die Bauern sind einig geworden
und kriegen mit Gewalt
Sie haben einen großen Orden
Sind aufständig mannigfalt
Und tun die Schlösser zerreißen
und brennen Klöster aus:
So kann man uns nicht mehr bescheißen
was soll ein bös‘ Raubhaus?


Jetzt will ich’s lassen bleiben
Gott in der Ewigkeit
er tut kein Mutwill treiben
fürwar, es ist ihm leid
daß wir so übel leben
in diesem Jammertal
wer kann jetzt Frieden geben
nur seine göttiche Wahl

Text und Musik Conz Annahans – um 1527 – Übertragen ins Hochdeutsche nach W. Steinitz


Die Geschichte dieses Nördlinger „Bündischen Liedes“ ist in Gerichtsakten dokumentiert:


„In Nördlingen war frühe schon die neue Lehre eingedrungen, und in der Bürgerschaft selbst gährten die neuen Volksideen. Bürger dieser Stadt waren es auch, welche den Aufstand der Landleute im Ries anregten und leiteten. Am 27. März hatten sich zwischen Nördlingen und Oettingen bei dem Dorfe Deiningen schon 1500 Riesbauern gelagert. Fünf Tage darauf hatten sie sich auf Achttausend vermehrt…. Im Hause des .Taschenmachers Balthasar Glaser kamen die Bauernhauptleute und die Stadtverschworenen zusammen, und hier wurden sie am Abend des 31. März einig, alle Klöster und Pfaffenhäuser, auch aller Geistlicher hereingeflüchtete Güter anzugreifen, Mönche und Pfaffen aus der Stadt zu verjagen, alle Herren im Ries zu vertreiben,…Die wichtigste Rolle in den städtischen Volksauftritten aber spielte Anton Forner, ein Mann, kriegserfahren und in den höchsten Ämtern der Stadt und zu der Zeit zweiter Bürgermeister. Im Hause Glasers wurden Lieder zum Spott des schwäbischen Bundes und zum Lob der Bauernschaft gemacht und gesungen. Anton Forner lud den Liedermacher zu sich in sein Haus ein, bewirtete ihn und machte ,zu einem schändlichen Lied auf den Bund‘ selbst etliche beissende Verse.“ (W. Zimmermann : Großer Deutscher Bauenkrieg) Zur Urheberschaft des Liedes bekannte sich 1527 Conz Annahans.


zitiert nach: nach: Steinitz I; S. 14 -Steinitz weist darauf hin, daß die erste Zeile sich nicht auf Florian Geyer bezieht. (Vielleicht aber doch eine der Nachdichtungen, die er erwähnt?) 







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